Seit April präsidiert Dr. Matthias Geiger den Vorstand der AHK Norwegen. Im Interview erklärt er, worauf es in der deutsch-norwegischen Wirtschaftszusammenarbeit ankommt, wo neue Chancen liegen und wo er als Präsident Akzente setzen will.
Herr Dr. Geiger, zunächst herzlichen Glückwunsch zu Ihrer neuen Rolle als Präsident der AHK Norwegen. Was hat Sie dazu motiviert, dieses Amt zu übernehmen?
Zunächst einmal hat es mich außerordentlich gefreut, als ich gefragt wurde, ob ich die Präsidentschaft übernehmen wollte. Die AHK ist die herausragende Institution für die deutsch-norwegischen Wirtschaftsbeziehungen. Deren Entwicklung möchte ich als Präsident gerne unterstützen. Zudem habe ich seit 2019 durch meine Arbeit in Kuratorium und Vorstand das professionelle und zugleich freundschaftliche Umfeld in der AHK Norwegen und ihrem Netzwerk schätzen gelernt.
Sie kennen die Organisation also bereits gut. Sie verfügen außerdem über mehr als 20 Jahre Erfahrung bei Siemens und Siemens Energy. Wie hat Ihr beruflicher Werdegang Sie auf diese Rolle vorbereitet?
Durch meinen beruflichen Hintergrund kenne ich die Bedürfnisse führender deutscher Industrieunternehmen in Norwegen aus erster Hand. Siemens Energy mit seinen 1300 Mitarbeitern in Norwegen und Fertigung in Trondheim, Kongsberg und Bømlo ist in Norwegen stark repräsentiert. Und sicherlich lassen sich Erfahrungen in Bereichen wie Strategie, Governance oder Mitarbeiterführung auf das Tätigkeitsfeld der AHK übertragen.
Durch meinen beruflichen Hintergrund kenne ich die Bedürfnisse führender deutscher Industrieunternehmen in Norwegen aus erster Hand.
Mit diesem Erfahrungsschatz im Rücken: Welche Schwerpunkte möchten Sie als Präsident der AHK Norwegen setzen?
Wir als Vorstand möchten die neue Geschäftsführerin Dalia Samra-Rothe (ab 1. August 2026 im Amt) und das hervorragende Team der AHK in ihrer Arbeit unterstützen. Das bedeutet in erster Linie, Sparringspartner bei der Strategieentwicklung zu sein. Der Vorstand ist personell sehr gut aufgestellt. Wir Vorstandsmitglieder können auf unsere eigenen beruflichen Erfahrungen zurückgreifen und relevante Impulse aus Sicht der Mitgliedsunternehmen und des Netzwerks liefern.
„Netzwerk“ ist ein wichtiges Stichwort: Welche Rolle kann die AHK Norwegen spielen, um Unternehmen in beiden Ländern noch besser zusammenzubringen?
Die AHK Norwegen mit ihren rund 800 Mitgliedsunternehmen hat ein hervorragendes Netzwerk in Deutschland wie auch in Norwegen. In Deutschland etwa durch die Anbindung an das IHK-System, in Norwegen aufgrund von 40 Jahren hervorragender Arbeit und der daraus resultierenden Anerkennung in Wirtschaft und Politik. Dieses Netzwerk bietet fantastische Voraussetzungen, um Unternehmen aus beiden Ländern zusammenzubringen. Das kann durch Delegationen, Veranstaltungen, Arbeitsgruppen oder auch informell durch die Initiierung bilateraler Gespräche geschehen.
Die AHK Norwegen ist dann erfolgreich, wenn sie relevante Themen besetzt und Unternehmen in Bereichen zusammenbringt und unterstützt, die wirtschaftliches Potenzial bieten. Hier sehe ich eine weitere Aufgabe des Vorstands: Nachhaltige Trends identifizieren und ihre Auswirkungen auf die Tätigkeit der Kammer mit der Geschäftsführung abstimmen.
Energie ist derzeit das dominierende Thema. Aber welche weiteren Branchen oder Themenfelder sehen Sie mit großem Potenzial für die bilaterale Kooperation?
Ich denke hier beispielsweise an Branchen wie Sicherheit und Verteidigung sowie Gesundheit, die nachhaltiges Wachstum verzeichnen. Und natürlich an die Raumfahrt. Dort haben wir in Norwegen mit der Raketenabschussbasis auf Andøya einen besonderen Anknüpfungspunkt, der auch für Deutschland und Europa wichtig ist.
Und wie können deutsche und norwegische Unternehmen ihre Stärken konkret bündeln, um im europäischen und globalen Wettbewerb zu bestehen?
Unternehmen aus beiden Ländern können ihre Wettbewerbsfähigkeit ausbauen, indem sie ihre jeweiligen Stärken gezielt zusammenbringen. Dazu zählen etwa deutsche industrielle Kompetenz und Skalierung sowie norwegische Agilität und Energie-, Maritime- und Technologieexpertise. Gerade in Zukunftsbereichen entstehen durch enge Partnerschaften, gemeinsame Innovationen und verlässliche Netzwerke große Chancen. So können sie sich im europäischen und globalen Wettbewerb erfolgreich positionieren.
Unternehmen aus beiden Ländern können ihre Wettbewerbsfähigkeit ausbauen, indem sie ihre jeweiligen Stärken gezielt zusammenbringen.
Die AHK lebt von ihrem Netzwerk. Was möchten Sie den Mitgliedern mit auf den Weg geben?
Die AHK Norwegen ist ein einzigartiger Treffpunkt für Wirtschaftsteilnehmer aus Deutschland und Norwegen. Und natürlich lebt das Netzwerk von der Beteiligung unserer Mitglieder. Das Team der AHK Norwegen freut sich immer über Engagement und Anregungen!
Zum Abschluss ein persönlicher Blick: Worauf freuen Sie sich in Ihrer neuen Rolle am meisten?
Ich freue mich besonders darauf, in dieser neuen Rolle viele engagierte Menschen aus dem deutsch-norwegischen Umfeld noch intensiver kennenzulernen. Auch den Austausch mit Unternehmen, Mitgliedern und Partnern der AHK Norwegen möchte ich persönlich mitgestalten. Für mich ist es etwas sehr Schönes, hier eigene Erfahrungen einzubringen und zugleich Impulse für neue Verbindungen und Kooperationen zwischen Deutschland und Norwegen zu setzen.
Und wenn Sie einen Wunsch für die Zukunft der deutsch-norwegischen Zusammenarbeit frei hätten – welcher wäre das?
Ich würde mir wünschen, dass noch mehr konkrete deutsch-norwegische Partnerschaften entstehen – also gemeinsame Projekte, Investitionen und Innovationen. Daraus können neues Geschäft, Arbeitsplätze und wettbewerbsfähige Lösungen für den europäischen und weltweiten Markt hervorgehen. Gerade in Bereichen wie Energie, Industrie, maritime Wirtschaft, Gesundheit oder Verteidigung liegt enormes Potenzial. Das können wir noch stärker gemeinsam nutzen.
