Nach dem Ölfonds: Kommt jetzt der norwegische Mineralfonds?

In Norwegen liegt das bis dato größte bekannte Vorkommen an seltenen Erden in Europa. Nun fordert das norwegische Parlament die Regierung auf, die Einrichtung eines staatlichen Mineralfonds zu prüfen.

Unter der idyllischen Landschaft der südnorwegischen Telemark mit ihren Seen, Wäldern, und Hügeln liegt etwas, worauf derzeit große Hoffnungen, nicht nur in Norwegen, sondern in ganz Europa ruhen: das Fensfeld.  

Seltene Erden mit Milliardenwert 

Das Fensfeld ist das größte bekannte europäische Vorkommen an seltenen Erden. Unter diesem Sammelbegriff fallen 17 verschiedene Rohstoffe, die insbesondere für die Herstellung von Technologieprodukten unverzichtbar sind. Derzeit hat China eine Art Monopolstellung inne, was die Vorkommen, den Abbau und die Verarbeitung von seltenen Erdmetallen betrifft. Das EU-Interesse am norwegischen Fensfeld ist also nicht nur wirtschaftlicher, sondern auch geopolitischer Natur.  

Bis die vermuteten rund 16 Millionen Tonnen an Neodym, Praseodym und sonstigen begehrten Elemente aus dem Fensfeld gefördert werden können, vergehen voraussichtlich noch einige Jahre. Fest steht: deren Wert dürfte im mehrstelligen Milliardenbereich liegen.   

Auftrag an die Regierung 

Vergangenes Jahr hat Norwegen eine neue Mineralstrategie verabschiedet. Und jetzt hat das Parlament entschieden: Die Idee, Vorkommen an großen Bodenschätzen wie das Fensfeld von einer staatlichen Gesellschaft bzw. einem Fonds zu verwalten, soll ernsthaft diskutiert werden. Die Regierung soll ein entsprechendes Vorgehen prüfen. Schon im Herbst könne es die ersten Pläne geben, erwarten einige Parlamentarier.

Die Abgeordnete und Leiterin der Partei „Rødt“, Marie Sneve Martinussen, sagte zur Zeitung „Energy Watch“: „Die Gewinnung kritischer Mineralien kann Wertschöpfung, Arbeitsplätze und Wohlstand für Norwegen sichern, wenn wir die Ressourcen richtig verwalten. Wir müssen aus den Erfolgen bei Wasserkraft und Öl lernen und nationale Kontrolle sowie staatliche Eigentumsverhältnisse gewährleisten“, sagt sie.

Ob jetzt ein Modell entsteht, das mit dem norwegischen Ölgeschäft vergleichbar ist, steht aber noch in den Sternen. Die Ausgangslage ist bei seltenen Erden anders; die Dimensionen ebenfalls (sie sind deutlich kleiner). Der parlamentarische Vorstoss lässt viele Fragen offen. Welche Rechte, Pflichten und Befugnisse soll eine staatliche Mineralgesellschaft dereinst haben, falls sie ins Leben gerufen wird? Und soll ein Fonds Investitionen sichern? Oder auch Gewinne verwalten, wie einige Parlamentarier andeuten? Im Vordergrund des Vorstosses stehen Aspekte wie die Kontrolle über Ressourcen, die Sicherstellung einer durchdachten, langfristigen Bewirtschaftung von Vorkommen, gesicherte Investitionen, Planbarkeit oder Umweltauflagen. Konkreteres gibt es vermutlich erst zu erfahren, wenn sich die Regierung dazu äussert.

Geld für die nächste Generation 

Mit seinem Ölfonds (offiziell: Norwegischer Pensionsfonds Ausland) geht Norwegen jedenfalls einen einzigartigen Weg. Anstatt die Förderung und den Verkauf von Öl und Gas der Privatwirtschaft zu überlassen, laufen diese mehrheitlich über den Staat. Die Einnahmen werden grösstenteils durch einen staatlichen Fonds verwaltet und sollen der gesamten Gesellschaft und den kommenden Generationen zugutekommen. Und das Geschäft läuft: Der Öl- und Gassektor macht mit rund einem Viertel einen großen Anteil an Norwegens BIP aus. Dies bildet sich auch im Handel mit Deutschland ab – Öl und vor allem Gas machen zusammen fast 80 Prozent des finanziellen Exportvolumens von Norwegen in die Bundesrepublik aus.  

Entsprechend ist der Ölfonds über die Jahre gewachsen. Derzeit verwaltet er ein Kapital von rund 2 Billionen Euro. Er gehört somit zu den größten der Welt. Der Fonds investiert auch in Deutschland und hält unter anderem Anteile an Immobilien in verschiedenen Städten.  

Falls das Geschäft mit seltenen Erden und Mineralien dereinst ebenso florieren sollte, dann landen die Einnahmen ebenfalls in einem staatlichen Fonds? Die Frage steht jedenfalls im Raum; das norwegische Parlament hat die Tür dafür aufgemacht. Der Ball liegt jetzt bei der Regierung.

Quellen:

Aftenposten: https://www.aftenposten.no/norge/politikk/i/zO4qgr/flertall-for-statlig-mineralselskap

EU-Kommission: https://commission.europa.eu/topics/competitiveness/green-deal-industrial-plan/european-critical-raw-materials-act_en

Energy Watch: https://energiwatch.no/nyheter/politikk_marked/article19331038.ece

Sokkeldirektoratet: https://www.sodir.no/aktuelt/publikasjoner/rapporter/ressursrapporter/ressursrapport-2022/3-konkurransekraft-og-verdiskaping/

Stern: https://www.stern.de/news/bodenschaetze–norwegisches-vorkommen-an-seltenen-erden-deutlich-groesser-als-gedacht-37186926.html

Stortinget: https://www.stortinget.no/no/Saker-og-publikasjoner/Publikasjoner/Innstillinger/Stortinget/2025-2026/inns-202526-376s/