Große Ereignisse schaffen es in die Geschichtsbücher und in unser Gedächtnis. In der Regel wissen wir noch Jahre später, was wir an diesem Tag gemacht haben: Wo waren wir am Tag von 9/11, wie haben wir Silvester 2000 verbracht? Für viele Deutsche ist der 9. November 1989, der Tag des Mauerfalls, fest in den Erinnerungen verankert. Auch bei den Kolleginnen und Kollegen der AHK Norwegen.
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Der 9. November hat vor allem eine Bedeutung für die Menschen in Deutschland. An diesem Tag fiel die Berliner Mauer und läutete damit endgültig das Ende eines geteilten Deutschlands und des Kalten Krieges ein.
Der Abend, der alles änderte
Die Situation in der DDR war im Herbst 1989 bereits seit Wochen angespannt. Viele DDR-Bürgerinnen und Bürger protestierten für mehr Freiheit und gegen das strikte Regime, parallel dazu reisten viele Menschen aus. Die Regierung unter Erich Honecker hatte lange vergeblich versucht, diese Bewegungen zu unterdrücken. Nach Honeckers Rücktritt im Oktober übernahm Egon Krenz, doch die Reformen kamen kaum voran.
Am Nachmittag des 9. November erläuterte die Regierung der DDR dem Zentralkomitee ihre geplanten Änderungen am Reisegesetz. Bei der folgenden Pressekonferenz am Abend sollte Günter Schabowski, Sprecher des Politbüros der SED, über die neue Reiseregelung informieren. DDR-Bürgern sollte erstmals die Ausreise in den Westen erlauben werden – eine Entscheidung, die kurzfristig in Kraft treten sollte. Doch mit den Details schien Schabowski nicht vertraut. Auf Nachfragen eines Journalisten antwortete er etwas konfus, dass diese Änderungen „…sofort, unverzüglich.“ in Kraft trete. Nahezu live, den Medien der ganzen Welt verkündet, führte diese Aussage noch am selben Abend, unter Druck tausender Berliner, zur Maueröffnung.
“Streitkräfte waren in Alarmbereitschaft”
Wie unerwartet diese Ereignisse kamen, spiegelt sich auch in den Erzählungen von damals wider. „Ich bin im Sommer `89 in die Nationale Volksarmee eingezogen worden. Nachdem Michail Gorbatschow im Oktober die DDR besucht hatte, waren die Streitkräfte in absoluter Alarmbereitschaft. Es gab eine Ausgangs- und Informationssperre. Somit ist der 9. November an mir vorbeigegangen. Ich hatte keine Ahnung, dass die Grenzen offen waren“, erinnert sich Andrè Barna, Kundenbetreuer bei der Deutsch-Norwegischen Handelskammer Services AS, wie er die Ereignisse in Ostdeutschland erlebt hat. „Erst vier Tage später, am Montag, wurde klar, was passiert war, als Offiziere, die am Wochenende zuhause waren, nicht zum Dienst erschienen. Die hatten sich in den Westen abgesetzt. Für mich war die DDR also ab dem 13. November Geschichte und damit auch die Sorge um einen eventuellen Schießbefehl. Erinnerungen daran bewegen mich bis heute.“
Die innerdeutsche Grenze verlief über 1.400 km. Nur 43,7 Kilometer davon verliefen mittig durch die Hauptstadt. Diese 43,7 Kilometer symbolisierten jedoch in all ihrer Brutalität die Grenze zwischen Ost und West und die Teilung von Familien, Freunden und einer ganzen Generation. Man muss nicht hautnah dabei gewesen sein, um mit dem Fall der Berliner Mauer vor 35 Jahren eine ganz eigene, persönliche Geschichte zu verbinden.
„Es waren absolut spannende Zeiten. Als junge Studentin habe ich oft mit meinen Kommilitonen über die Zukunft Deutschlands gesprochen – auch am Abend des 9. Novembers. Wir saßen in einer Freiburger Studentenkneipe und diskutierten, wie das Deutschland der Zukunft wohl aussehen könnte. Und dann war die Mauer über Nacht plötzlich offen, und eine neue Zeit brach an für Deutschland, Europa und die Welt“, erinnert sich Kathrin Luze-Hercz, Abteilungsleiterin Members & Network der AHK Norwegen, die im Westen Deutschlands aufwuchs.
Der zeitliche Ablauf – von Verwirrung zur Euphorie
So unerwartet wie es für die ganze Welt kam, so unerwartet war es auch für die unmittelbar beteiligten Personen: Die Grenzbeamten an den Berliner Übergängen waren mit den Auswirkungen von Schabowskis Worten völlig überfordert. Es gab keine klaren Anweisungen, und die plötzliche Menschenmenge, die sich an den Übergängen versammelte, brachte die Beamten in eine Zwickmühle. Sie hatten keinerlei Anweisung, die Grenze zu öffnen, und dennoch waren da hunderte, bald tausende Menschen, die Antworten forderten.
Etwa gegen 23 Uhr wurde an einigen Grenzübergängen der Druck der Menschenmenge so stark, dass die Beamten schließlich die Schranken hoben und die Menschen unkontrolliert durchließen. Die Szene, die folgte, ist in die Geschichtsbücher eingegangen: Menschen aus Ost- und West-Berlin fielen sich in die Arme, sie weinten, lachten und feierten. Es war ein Moment, der vor Glück und Freiheit nur so sprühte. Dieser Moment war so monumental, dass er später als einer der entscheidenden Wendepunkte des Kalten Krieges gilt.
