St. Martinsfest – warum Deutsche im November Gänse essen und einen Laternenumzug machen

„Ich geh mit meiner Laterne – Und meine Laterne mit mir – Dort oben leuchten die Sterne – Hier unten leuchten wir…“

Ein Lied, dass in Deutschland wahrscheinlich jedes Kind kennt. Denn egal ob Dorf oder Großstadt, in christlich geprägten Landstrichen oder in den Regionen der ehemaligen DDR: Überall sieht man rund um den 10. und 11. November Laternenumzüge mit Kindergärten, Schulklassen, Vereinen und Musikgruppen. Regional gibt es unterschiedliche Varianten und genauso viele unterschiedliche religiöse oder weltliche Lieder oder Texte in Mundart. Dabei sind die Laternenumzüge die bekannteste der Traditionen rund um das St. Martinsfest.

Die Geschichte von St. Martin

In religiös geprägten Orten wird mit dem Fest dem heiligen Bischof Martin von Tours, der im 4. Jahrhundert lebte, gedacht. Dieser war als Nothelfer und Wundertäter in der gesamten Touraine bekannt und wurde um 370/71 zum Bischof von Tours geweiht.

Der Legende nach war Martin zunächst ein römischer Soldat, der an einem kalten Wintertag einem frierenden Bettler begegnete. Ohne zu zögern, teilte er mit seinem Schwert seinen Mantel in zwei Hälften und gab eine dem Bettler. Diese Geste der Barmherzigkeit ist das Herzstück des St.-Martins-Festes.

Später wollten die Einwohner von Tours den bescheidenen Martin gegen seinen Willen zum Bischof ernennen. Da er sich selbst dieser Position als unwürdig empfand, versteckte er sich in einem Gänsestall. Die Gänse verrieten ihn jedoch durch ihr lautes Schnattern, sodass Martin schließlich gefunden und zum Bischof geweiht werden konnte. Diese Demut und sein Engagement für die Armen und Schwachen machen ihn bis heute zu einer verehrten Figur in der christlichen Tradition.

Die Traditionen rund um St. Martin in Deutschland

Eine der bekanntesten Traditionen rund um St. Martin ist der sogenannte Martinsumzug. Kinder und Familien ziehen dabei in der Dämmerung mit selbst gebastelten Laternen durch die Straßen. Angeführt wird der Umzug oft von einem Reiter, der St. Martin in seiner Soldatenrüstung darstellt und auf einem Pferd reitet. Dieser erinnert symbolisch an die berühmte Mantelteilung. Die Straßen sind dabei von leuchtenden Laternen und fröhlichen Liedern erfüllt. Oft bildet die Nachstellung der Mantelteilung als kleines Schauspiel den Höhepunkt der Laternenumzüge.

Nach dem Umzug versammeln sich viele um ein großes Martinsfeuer, das symbolisch für Wärme und Licht steht. Das Feuer ist ein zentrales Element vieler St.-Martins-Feiern, besonders in ländlichen Regionen. Es erinnert an die Güte von St. Martin, der den Menschen in einer kalten und dunklen Zeit geholfen hat.

Ein Feuer zum St. Martinsfest.

Mancherorts ist das Martinssingen ein weiterer fester Bestandteil. Kinder ziehen von Haus zu Haus und singen traditionelle St.-Martins-Lieder. Oft werden sie dafür mit Süßigkeiten belohnt, ähnlich dem Brauch des Halloween.

Eine weitere beliebte Tradition rund um St. Martin ist das Essen der Martinsgans. Von der Legende des Verstecks im Gänsestall gibt es viele Varianten, historisch belegt ist keine davon. Ein weitaus realistischer Ansatz ist es, dass die Tradition auf eine Abgabe zurückgeht, die im Rahmen des Lehnswesens am Martinstag fällig war. Diese Abgabe bestand häufig aus einer Gans, die dann zu den Feierlichkeiten des Martinstags zubereitet wurde.

Wenngleich St. Martin ein christliches Fest ist, werden viele Elemente auch in nicht-religiösen Gegenden übernommen. Dort spricht man häufig schlicht vom Laternenumzug. Denn Licht und Feuer behalten ihre Symbolik des Hoffnung- und Wärmespenden in der kalten, dunklen Jahreszeit.