de no

Norwegen wird 2019 Gastland bei der Frankfurter Buchmesse sein. Wir sprachen mit Norwegens Projektleiter Halldór Gudmundsson über die Arbeit, die auf sein Team zukommt, und über die Ziele, die sie sich für dieses Ereignis gesetzt haben.

Welche Botschaft möchten Sie auf der Buchmesse mit der norwegischen Literatur vermitteln?

Wir möchten besonders die Vielfalt und die erzählerischen Qualitäten der norwegischen Literatur herausarbeiten. Außerdem ist es unser Anliegen, das gute norwegische Fördersystem für Literatur vorzustellen.

Die norwegische Literatur ist in Deutschland gut etabliert, wo sehen Sie noch Potenzial?

Wir wollen versuchen, unsere starke Position in Deutschland auszubauen, indem wir auch die Kinder- und Jugendliteratur sowie Sachprosa sichtbarer machen. Dieser Bereich birgt viel Entdeckungspotential für deutsche Leser.

Um zu verdeutlichen wie breit wir aufgestellt sind, haben wir im vergangenen Jahr etwa 70 deutsche Verleger nach Norwegen eingeladen und ihnen unsere Autoren, Verleger und andere Kontakte in der Branche vorgestellt.

Haben Sie sich ein Ziel für übersetzte Titel gesetzt?

Unser Wunsch ist es, in den Jahren 2018 und 2019 etwa 200 norwegische Titel im deutschen Markt zu haben. Da es sich bei der Buchmesse um eine internationale Messe handelt, ist unser Fokus aber nicht allein auf Deutschland gerichtet.

Ebenso wichtig wie die Anzahl der Titel auf dem Buchmarkt ist es, die Titel auch unter die Leute zu bekommen. Die deutschen Buchhändler müssen einen Bezug zu den norwegischen Titeln haben, damit sie diese auch verkaufen. Um sie als Botschafter für norwegische Bücher zu gewinnen, laden wir auch Buchhändler zu uns nach Norwegen ein.

Neben der Literatur planen Sie auch ein kulturelles Rahmenprogramm, wie gehen Sie vor?

Unser Rahmenprogramm konzentriert sich hauptsächlich auf Frankfurt 2019, aber selbstverständlich wird in ganz Deutschland einiges geschehen. Wir wollen nicht nur ein Paket packen und dieses versenden, uns ist es wichtig auch deutsche Akteure einzubinden. Hier arbeiten wir auf die gleiche Weise wie bei den Verlagen: Wir laden Kuratoren ein, lassen sie die norwegische Kunst betrachten und geben ihnen die Möglichkeit relevante Akteure und Institutionen zu besuchen.

Was interessiert die deutsche Literatur in Norwegen?

Norweger interessieren sich für deutsche Literatur. Ich freue mich sehr, dass das Literaturfestival in Lillehammer dieses Jahr deutsche Autoren auf dem Programm hat, und im nächsten Jahr ein deutsches Literaturfestival in Oslo geplant ist. Es ist wichtig, dass diese Gegenseitigkeit geschaffen wird.

Was steht als nächstes auf Ihrer Agenda?

Zurzeit bereiten wir unsere Teilnahme an der Leipziger Buchmesse im März vor. Außerdem organisieren wir gerade eine erste Pressereise für deutsche Journalisten nach Norwegen. Sie sollen die Gelegenheit haben, norwegische Autoren zu treffen und mehr über unsere Literatur zu lernen. Und wir arbeiten auch an der Vorbereitung verschiedener Branchentreffs in Verbindung mit den Buchmessen in London, Paris und New York. Wie gesagt, der internationale Aspekt ist uns sehr wichtig.

2011 waren Sie Projektleiter für Islands Gastlandstatus auf der Frankfurter Buchmesse. Was haben Sie aus dieser Zeit mitgenommen?

Die wichtigste Erkenntnis, die ich gewonnen habe, ist es, langfristig zu denken. Darauf haben wir uns damals nicht so sehr konzentriert. Es ist unglaublich spannend, für fünf Tage in Frankfurt ein Feuerwerk zu entfachen. Die größere Herausforderung ist es allerdings, etwas zu schaffen, was darüber hinaus weiterlebt. Es geht darum, Kontakte in der Buchbranche und im Kulturbetrieb aufzubauen, an die man nach 2019 anknüpfen kann.

Interview: Hilde Bjørk, Übersetzung: Felix Reimann

ein Kommentar

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.