Smart Farming – Die vierte Revolution der Landwirtschaft

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Industrie 4.0 ist in aller Munde. Durch die zunehmende Vernetzung steht die Wirtschaft an der Schwelle zur vierten industriellen Revolution. Eine besonders fortschrittliche Branche in der Umsetzung digitaler Lösungen ist die Landwirtschaft. Während in der Automobilindustrie noch über autonom gesteuerte Fahrzeuge diskutiert wird, haben voll digitalisierte Erntemaschinen längst einen festen Platz in der Bewirtschaftung großer Flächen. Ganze Flotten digitalisierter Maschinen nutzen moderne Infrastrukturen und stimmen sich untereinander selbstständig über den jeweiligen Bearbeitungsstand der Teilflächen, den Bedarf an Einsatzmaterialien sowie die Koordinierung ab. In der Innenwirtschaft ist die Robotik bereits weit verbreitet. Auch hier werden Daten gesammelt und direkt in den Prozessablauf verschiedener Systeme integriert. So gehen Futter- und Melkroboter auf die individuellen Bedürfnisse jedes Tieres ein. Melksysteme liefern genaue Milchmengen für jede Kuh und werten den Gesundheitszustand der Tiere anhand der Inhaltsstoffe der Milch aus.

Smart Farming

Die Vernetzung verschiedener Systeme wird in der Landwirtschaft als Smart Farming bezeichnet. In dieser Entwicklungsstufe verarbeiten Maschinen Informationen selbstständig und treffen autonome Entscheidungen. Der Landwirt übernimmt eine überwachende Rolle, jederzeit bereit und befähigt, korrigierend einzuwirken. „Smart Farming wird die Zukunft der Landwirtschaft bestimmen und die traditionelle Arbeitsweise in der Agrarindustrie ablösen“, sagt Gerd Bovensiepen, Leiter des Bereichs Handel und Konsumgüter bei PwC, voraus. „Künftig werden landwirtschaftliche Maschinen als fahrende Rechenzentren arbeiten, und die Sensortechnik wird alle wichtigen Daten in Echtzeit liefern.“

Investitionsbereitschaft bei Landwirten

Für neue Technologien müssen die Unternehmen hohe Investitionen leisten. Verschiedenen Studien zufolge sind viele Landwirte dazu bereit. So haben laut einer PwC-Studie mehr als die Hälfte der deutschen Betriebe bereits in digitale Technologien investiert, jedes vierte Unternehmen plant darüber hinaus weitere Investitionen. Die finanziellen Möglichkeiten sind jedoch vor allem bei kleinen Betrieben begrenzt. So fürchten viele in der Branche, dass die Schere zwischen Klein- und Großunternehmen durch Smart Farming weiter auseinandergehen wird. Kritiker sehen zudem viele Arbeitsplätze gefährdet. Weitere Punkte, die aktuell Herausforderungen für neue Technologien darstellen, sind der flächendeckende Netzzugang mit hoher Bandbreite sowie juristische Fragen zur Datensicherheit und dem Datenschutz.

Lösungen für die Zukunft

Die Vorteile der digitalisierten Landwirtschaft liegen auf der Hand: Durch den punktgenauen Einsatz der Maschinen wird die Nahrungsmittelproduktion ressourcensparender und effizienter. Auch in Hinblick auf globale Herausforderungen, wie einer wachsenden Nachfrage und veränderten Klimavoraussetzungen, ist dieser Aspekt von großer Bedeutung. Dank der Automatisierung und Einsparung von Betriebsmitteln können Kosten für Produkte und Dienstleistungen gesenkt werden. Zudem ermöglicht das lückenlose Erfassen aller Arbeitsprozesse entlang der Lebensmittelkette eine bessere Qualitätskontrolle und kommt dem Verbraucherschutz zugute. So können Informationen zu Aufzucht, Frische, Qualität und Nachhaltigkeit von Produkten für den Konsumenten lückenlos nachvollziehbar gemacht werden. Neben ökologischen und wirtschaftlichen Vorteilen steigert Smart Farming auch die Lebensqualität von denen in der Landwirtschaft arbeitenden Menschen. Da viele Prozesse ferngesteuert werden können, entwickeln sich die Arbeitszeiten der Landwirte positiv.

Technologie mit viel Potential

Die Digitalisierung hat sich in der Landwirtschaft längst als fester Bestandteil zur Unterstützung der täglichen Arbeit etabliert. Informationstechnik ist aus dem Alltag der Bauern nicht mehr wegzudenken. Digitale Anwendungen helfen beim Pflanzenschutz, bei der Tierhaltung und der Wettervorhersage. Für die Präzisionslandwirtschaft sind Maschinen mit intelligenten Technologien bestückt und kommunizieren untereinander. Auch wenn die Digitalisierung in der Landwirtschaft weiter vorangeschritten ist als in andern Branchen, steht Smart Farming erst am Anfang seiner Möglichkeiten. Die digitale Landwirtschaft birgt großes Potenzial, um vor allem den globalen Herausforderungen der kommenden Jahrzehnte erfolgreich zu begegnen.

Felix Reimann