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Am 23. November wurde Max Aschenbrenner für sein langjähriges Engagement für die deutsch-norwegischen Beziehungen mit dem Königlich Norwegischem Verdienstorden Ritter 1. Klasse ausgezeichnet. Aschenbrenner vertritt Norwegen seit 2009 als Honorarkonsul in München. Außerdem engagiert er sich für den Verein Norweger in Bayern, die deutsch-nordische Juristenvereinigung und ist regelmäßiger Gast beim deutsch-norwegischen Wirtschaftsrat. Wir haben mit ihm über die bayrisch-norwegischen Beziehungen, seine Tätigkeit als Honorarkonsul und seine Liebe zu Norwegen gesprochen.

In München und Umgebung finden viele Veranstaltungen für das deutsch-norwegische Netzwerk statt. Warum zieht es so viele Norweger nach Bayern?

Etwa ein Zehntel aller Norweger in Deutschland leben in Bayern. Einige studieren an unseren ausgezeichneten Universitäten, einige hat es der Liebe wegen hierher verschlagen, aber viele kommen mittlerweile auch aus beruflichen Gründen, weil der Freistaat im Forschungs- und Wirtschaftsbereich ausgezeichnete Chancen bietet. Die meisten fühlen sich hier wohl, weil wir ähnlich gute Freizeitmöglichkeiten wie in Norwegen haben. Nach meinem Eindruck ist aber auch die Mentalität der Leute viel ähnlicher als man auf den ersten Blick vermutet.

Ich kann allen Norwegern nur dazu raten, nach München zu kommen. Die norwegische Kolonie München gibt es schon seit Jahrzehnten. Erst vor wenigen Jahren hat sie mit den Norwegern in Bayern e.V. eine noch effektivere Struktur gefunden, wo Norweger und Norwegenfreunde herzlich willkommen sind.

2009 haben Sie das Amt des norwegischen Honorarkonsuls in München übernommen. Wie haben sich die die wirtschaftlichen Beziehungen zwischen Norwegen und Deutschland, insbesondere Bayern, seitdem entwickelt?

Nach meinem Eindruck vertiefen sich die wirtschaftlichen Beziehungen erfreulicherweise immer mehr. Mit meinen Kollegen der anderen nordischen Konsulate habe ich 2010 das skandinavische Wirtschaftsforum (SWIFO) ins Leben gerufen, das sich mittlerweile gut etabliert hat. Wir sind in München die einzige Ländergruppe, die auf wirtschaftlichem Gebiet so geschlossen auftritt und damit auch die Aufmerksamkeit auf die zahlreichen Möglichkeiten lenkt, die in der wirtschaftlichen Zusammenarbeit zwischen Bayern und Skandinavien liegen.

Auf bayerischer Seite weiß man mittlerweile um die vielfältigen wirtschaftlichen Möglichkeiten in Norwegen. Und umgekehrt scheint sich bei den Norwegern, die sich lange traditionell am deutschen Norden orientierten, inzwischen die Erkenntnis durchgesetzt zu haben, dass in Deutschland zwar das politische Steuerrad in Berlin ist, aber der wirtschaftliche Motor im Süden; und hier wiederum vor allem im Freistaat Bayern.

Sie sind ein sehr passionierter Honorarkonsul aus Leidenschaft. Was gefällt Ihnen an der Arbeit am besten?

Es ist schlicht und ergreifend die Freude, Menschen in vielfältigster Weise zu begegnen und mit Rat und Tat helfen zu können. Umgekehrt erhalte ich auch eine unglaubliche Fülle an Einblicken, Erfahrungen und unvergesslichen Erlebnissen, die nicht immer notwendigerweise einen Bezug zu Norwegen haben müssen. Die vergangenen neun Jahre als Honorarkonsul haben mein Leben nachhaltig geprägt und bereichert.

Wer sind die wichtigsten Kooperationspartner des Konsulats?

Wenn man Brücken baut, braucht man auf jeder Seite ein stabiles Fundament und zwei Fahrspuren, von denen die eine von Süden nach Norden führt, die andere von Norden nach Süden. Was die Entwicklung der wirtschaftlichen Beziehungen anbelangt, bekomme ich von der bayerischen Seite aus – bayrische Staatskanzlei, bayrisches Wirtschaftsministerium, Innen- und Landschaftsministerium sowie Wirtschaftsbeirat der Union (WBU) – viel positive Resonanz und Unterstützung. Eine besonders enge Zusammenarbeit verbindet mich ferner mit Bayern International, die sich, ähnlich wie Innovation Norway, Wirtschaftsförderung für den Mittelstand betreiben.

Und auch das Brückenfundament auf norwegischer Seite hat sich weiter verstärkt. Die AHK Norwegen ist schon seit zwei Jahren mit einer Kontaktstelle in München vertreten. Im September hat nun auch Innovation Norway ein Büro in München eröffnet. Ich verspreche mir davon, dass die örtliche Präsenz von Norwegen in Bayern in vielerlei Hinsicht neuen Schwung bringt und Unternehmen dabei unterstützt, ihre Aktivitäten voranzutreiben.

Sie haben kürzlich den Königlich Norwegischen Verdienstorden Ritter 1. Klasse erhalten. Herzlichen Glückwunsch! Was bedeutet diese Auszeichnung für Sie?

Dass die Art und Weise, wie ich Norwegen als Honorarkonsul in Bayern vertrete, gesehen und offensichtlich auch wertgeschätzt wird, ist für mich etwas ganz Besonderes. Es erfüllt mich natürlich auch mit Stolz, noch mehr mit großer Freude, vor allem aber mit großer Dankbarkeit. Denn Norwegen konsularisch zu vertreten, ist eine Aufgabe, die niemand allein ausfüllen kann. Ob und inwieweit das gelingt, hängt immer maßgeblich auch davon ab, welche Unterstützung man bekommt. Das gilt für die vielen Kooperationspartner auf bayerischer wie norwegischer Seite. Das gilt namentlich für meine Mitarbeiterin im Konsulat, Kristi Nowak, für die Botschaft sowie alle anderen im „Team Norway“. Und das gilt auch für die vielen Kontakte, mit denen ich in diesem Zusammenhang freundschaftlich verbunden bin. All diese haben mich – wie auch meine Familie – in vielerlei Weise unterstützt, daran mitzuwirken, dass die Beziehungen zwischen Norwegen und Bayern noch stärker werden – und zwar weit über die wirtschaftliche Zusammenarbeit hinaus.

Sie sind auch privat sehr mit Norwegen verbunden. Erinnern Sie sich noch an Ihren ersten Besuch im Land der Fjorde?

An den Tag, an dem ich zum ersten Mal nach Norwegen kam, kann ich mich noch genauso gut erinnern wie an meinen Hochzeitstag oder die Geburt meiner beiden Töchter. Meine norwegische Frau Reidun hatte ich in München während ihres Auslandsaufenthalts kennengelernt und versprochen, sie gleich in den ersten Semesterferien nach ihrer Heimreise zu besuchen. Es war ein wunderschöner Julitag im Jahr 1978, als ich früh aufstand, um von der Kielfähre aus die Durchfahrt bei Drøbak zu erleben. In den vier Ferienwochen zu zweit durfte ich schon ziemlich viel von Norwegen kennenlernen: Oslo, Rondane und die landschaftlich wunderbare Region Sunnmøre.

Aber um ganz ehrlich zu sein: Wenn man 25 Jahre alt und bis über beide Ohren verliebt ist, hat angewandte Landeskunde nicht die oberste Priorität. Diese (zweite) Liebe zu Norwegen ist dann erst später mit der Zeit gewachsen.