Energiepark Bad Lauchstädt – ein Pionierprojekt für grünen Wasserstoff

Grüner Wasserstoff ist ein wichtiger Energieträger der Zukunft. Als Unternehmensverbund mit jahrzehntelanger Erfahrung im Bereich Gas und Gasinfrastruktur will VNG ihre Kompetenzen nutzen und vermehrt auf erneuerbare und dekarbonisierte Gase wie Biogas und Wasserstoff setzen. Mit der Strategie „VNG 2030+“ hat sich die VNG ambitionierte Ziele gesetzt, um die Transformation des Energiesystems voranzutreiben und fossile Energieträger perspektivisch mit erneuerbaren gasförmigen Energiequellen zu ersetzen. Eine Pionierrolle spielt das Unternehmen schon heute mit seinem Engagement im Energiepark Bad Lauchstädt. Aus einer Erdgashandelspartnerschaft kommend, blickt VNG auf eine lange und enge Zusammenarbeit mit norwegischen Unternehmen zurück und ist Mitgliedsunternehmen der AHK Norwegen.

Ein Reallabor der Energiewende: der Energiepark Bad Lauchstädt

Im Energiepark Bad Lauchstädt in Sachsen-Anhalt ist VNG maßgeblich an einem Reallabor beteiligt, welches die gesamte Wertschöpfungskette von grünem Wasserstoff abdecken soll. Cornelia Müller-Pagel, Projektleiterin des Energiepark Bad Lauchstädt und Leiterin Grüne Gase der VNG AG, erklärt das Alleinstellungsmerkmal des Leuchtturmprojekts: „Im Energiepark Bad Lauchstädt erproben wir erstmals die Erzeugung von grünem Wasserstoff sowie dessen Speicherung, Transport, Vermarktung und Nutzung im großtechnischen Maßstab.“ Mit einem 30-Megawatt-Elektrolyseur wird unter Einsatz des im nahegelegenen Windpark gewonnenen Stroms grüner Wasserstoff produziert. Über eine umgestellte Gaspipeline kann der Wasserstoff in das Wasserstoffnetz der in Mitteldeutschland ansässigen chemischen Industrie eingespeist und perspektivisch auch für urbane Mobilitätslösungen eingesetzt werden. Zukünftig kann der Wasserstoff zudem in einer eigens dafür angepasste Salzkaverne zwischengespeichert werden.

Cornelia Müller-Pagel, Projektleiterin des Energiepark Bad Lauchstädt und Leiterin Grüne Gase der VNG AG.

Das Vorhaben wird von einem Konsortium aus sieben Projektpartnern entwickelt. Cornelia Müller-Pagel: „Neben der VNG AG als Konsortialführer arbeiten mit VNG Handel & Vertrieb, VNG Gasspeicher und ONTRAS Gastransport drei weitere Unternehmen der VNG-Gruppe an dem Vorhaben. Auf diese Weise nutzen wir optimal unsere mehr als 50-jährige Erfahrung im Bereich von Handel, Speicherung und Transport von Gas für den Hochlauf der deutschen Wasserstoffwirtschaft.“ Darüber hinaus sind die Terrawatt Planungsgesellschaft, Uniper und das DBI – Gastechnologisches Institut als begleitendes Forschungsinstitut als Partner beteiligt. Das Projekt startete im Juni 2023 mit dem ersten Spatenstich in die aktive Bauphase und ist derzeit weltweit einzigartig. Der erste Teil der Wertschöpfungskette ist die Wasserstofferzeugung: Durch Elektrolyse von Wasser wird unter Einsatz von Strom grüner Wasserstoff erzeugt. Den Strom für die Großelektrolyse liefern die acht Windräder des zum Energiepark gehörenden Windparks, der bis zu 145 Millionen Kilowattstunden Strom im Jahr produzieren kann. Dabei ist Uniper gemeinsam mit VNG Handel & Vertrieb für den Bau und Betrieb des Elektrolyseurs zuständig. Bau und Betrieb des Windparks liegen in den Händen der Terrawattplanungsgesellschaft mbH.

Traditionsindustrie treibt Innovation

Jährlich können im Energiepark Bad Lauchstädt rund 27 Millionen Kubikmeter grüner Wasserstoff gewonnen werden. Um diesen unabhängig vom Wetter und der Jahreszeit nutzen zu können, muss der Wasserstoff gespeichert und weitertransportiert werden. Der Standort in Sachsen-Anhalt ist dafür der ideale Ort, da die VNG-Gasspeicher in einem Salzstock bereits heute unterirdische Salzkavernen als Speicherungsstätten für Erdgas nutzt. Zukünftig soll hier auch Wasserstoff gespeichert werden können. Auch beim Transport wird schon bestehende Infrastruktur genutzt. Der grüne Wasserstoff wird perspektivisch durch eine derzeit in Umstellung befindliche, 25 Kilometer lange Erdgasleitung des Fernleitungsnetzbetreibers Ontras transportiert.

In einem weiteren Projektbestandteil stehen die Vermarktung und Nutzung von Wasserstoff im Mittelpunkt. Dafür entwickelt die VNG Handel & Vertrieb verschiedene Geschäftsmodelle, um den Handel mit Wasserstoff bestmöglich in die Privatwirtschaft zu integrieren und so kommerziell zu vermarkten. Ziel ist es, dass der grüne Wasserstoff hauptsächlich lokal in Mitteldeutschland für die dort ansässige Chemieindustrie und langfristig auch für Mobilität genutzt werden kann.

Deutschlands ersten Liefervertrag für grünen Wasserstoff

Projektleiterin Cornelia Müller-Pagel freut sich über den zügigen Baufortschritt des Energiepark Bad Lauchstädt: „Seit dem Spatenstich im vergangenen Jahr haben wir bereits den Abschluss bedeutender Meilensteine wie etwa Deutschlands ersten Liefervertrag für grünen Wasserstoff, den Einbau einer Molchschleuse in die zukünftige Wasserstoffleitung oder das Richtfest für das Gebäude des Elektrolyseurs feiern können. Ebenso steht inzwischen der Windpark mit einer Leistung von 50 Megawatt kurz vor der Fertigstellung. Wir haben als gesamtes Konsortium mit viel Engagement und Kraft ungeheuer viel erreicht und ich bin stolz auf alle, die an dem Projekt beteiligt sind. So etwas schafft man nur gemeinsam.“

Als Reallabor der Energiewende wird die überwiegende Zahl der Projektbausteine im Rahmen des 7. Energieforschungsprogramms des Bundesministeriums für Wirtschaft und Klimaschutz (BMWK) mit 34 Millionen Euro aus Bundesmitteln gefördert. Der Energiepark Bad Lauchstädt soll dazu beitragen, die Zukunftstechnologien rund um grünen Wasserstoff zu erforschen und zur Marktreife zu bringen – für eine technologisch starke und zukunftsorientierte Wasserstoffregion in Mitteldeutschland und eine erfolgreiche Sektorenkopplung in der gesamten Bundesrepublik. Dies wird auch Perspektiven für ähnliche Projekte schaffen. Entsprechend arbeitet auch die VNG-Gruppe an einer Reihe weiterer Projekte, die einen Beitrag zum Hochlauf eines Wasserstoffmarktes leisten können.

Die Energiewende international gemeinsam bestreiten

Für VNG dabei eine Selbstverständlichkeit: das Denken und Agieren in internationalen Kontexten. So verfügt VNG seit über 30 Jahren über Vertragsbeziehungen mit norwegischen Produzenten. Diese Partnerschaft ermöglichte bislang eine verlässliche und stabile Versorgung deutscher Kunden mit Energie über viele Jahrzehnte. Auf Basis dieser langfristigen Energiepartnerschaft mit Norwegen arbeitet VNG zusammen mit norwegischen Partnern über die Gegenwart hinaus nun auch an zukünftigen Liefermöglichkeiten, um die Herausforderungen der Energiewende zu bewältigen. Dabei liegt der Fokus besonders auf dekarbonisierten Gasen, wie Wasserstoff und Ammoniak. Beispielhaft ist hier das gemeinsame Projekt mit dem norwegischen Produzenten Equinor zur Erzeugung von dekarbonisiertem Wasserstoff aus Erdgas durch eine 1-Gigawatt-Reformer in Rostock. Zudem gibt es Kooperationen von VNG mit norwegischen Unternehmen wie Aker Horizons/Statkraft, Horisont Energi und YARA zum zukünftigen Bezug von Ammoniak.

Quellen:

https://www.vng.de/wasserstoff

https://energiepark-bad-lauchstaedt.de

https://www.vng.de/30-Jahre-Lieferpartnerschaft