Vom Büro in die eigenen vier Wände: wie Corona unsere Arbeitsgewohnheiten verändert

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Durch das Risiko der Verbreitung des Coronavirus werden derzeit Hunderttausende Arbeitnehmer in Deutschland und Norwegen dazu aufgefordert, flexible Arbeitszeiten zu nutzen und von Zuhause aus zu arbeiten, um Infektionen zu begrenzen. Aber wie verbreitet sind eigentlich die Möglichkeiten zum Homeoffice in den beiden Ländern?

Norwegen: Homeoffice ist ein verbreiteteres Modell

Laut einem Bericht der Forschungsstiftung Fafo, der auf Zahlen des Statistikamts aus dem Jahr 2017 basiert, hat in Norwegen jeder dritte Arbeitnehmer die Möglichkeit zum Homeoffice (35 Prozent). Davon haben neun Prozent sogar eine dauerhafte Regelung mit dem Arbeitgeber vereinbart. 26 Prozent können bei Bedarf von Zuhause aus arbeiten.

Aus einer aktuellen Umfrage des Zentrums für Informationssicherheit (NorSIS) und Sicherheitsrates der norwegischen Wirtschaft (NSR) geht hervor, dass seit dem Corona-Ausbruch vier von zehn Norwegern täglich im Homeoffice sind. Weitere sechs Prozent bestätigten, dass sie in den kommenden Wochen ebenfalls von Zuhause aus arbeiten oder studieren werden.

Zwischen Branchen und Berufen gibt es Unterschiede: Mit 82 Prozent ist das Homeoffice für Angestellte in der Informations- und Kommunikationsbranche ein verbreitetes Modell. Aber auch Angestellte im Bereich der fachlichen, wissenschaftlichen und technischen Dienstleistungen können regelmäßig von Zuhause aus arbeiten (79 Prozent). Dagegen haben Angestellte im Sozial- und Gesundheitswesen (10/13 Prozent), Einzelhandel (14 Prozent) sowie Gastgewerbe (15 Prozent) nur selten diese Möglichkeit.

Deutschland: Arbeitnehmer wollen in Krisenzeiten im Homeoffice arbeiten

Im Vergleich zu Norwegen ist das Homeoffice-Modell in Deutschland eher eine Ausnahme. Das zeigt eine Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) in Kooperation mit dem Leibniz-Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW). Nur jeder vierte Arbeitgeber in Deutschland ermöglicht seinen Angestellten die Arbeit aus dem Homeoffice (26 Prozent). Die Tendenz ist jedoch, wenn auch langsam, steigend: Im Jahr 2017 hatten 22 Prozent der deutschen Arbeitnehmer die Möglichkeit, von Zuhause aus zu arbeiten, verglichen mit 19 Prozent im Jahr 2013. Homeoffice ist in Deutschland in den gleichen Branchen und Berufen verbreitet wie in Norwegen.

In einer aktuellen Umfrage des Bundesverbandes Digitale Wirtschaft (BVDW) gaben 75 Prozent der Befragten an, dass sie dazu bereit sind, während der Corona-Krise an einem Arbeitsplatz im eigenen Heim zu arbeiten. Zwei Drittel erwarten von ihrem Arbeitgeber sogar eine entsprechende digitale Lösung in gesundheitsgefährdenden Zeiten. 54,3 Prozent der Angestellten glauben, dass ihr Arbeitgeber die technischen Voraussetzungen für Homeoffice geschaffen hat, während die andere Hälfte seinen Arbeitgeber für eine solche Lösung nicht in der Lage sieht (45,7 Prozent).