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Im Jahr 2016 lancierte der Branchenverband Norsk Industri ein Strategiepapier, das die Wertschöpfung für die nächsten Jahre sicherstellen und Emissionen bis 2050 stark reduzieren soll. Der Schlüssel ist die Ausrichtung der Industrie nach kreislaufwirtschaftlichen Prinzipien. Das Eyde-Cluster in Südnorwegen geht hierbei als gutes Beispiel voran.

Die Prozessindustrie ist ein wichtiger Teil der norwegischen Wirtschaft und trägt zu lokalen Wertschöpfung im gesamten Land bei. Seit mehr als einhundert Jahren wird in Norwegen Aluminium produziert, und Norwegen ist heute Europas größter Hersteller von Primäraluminium. Die norwegische Prozessindustrie umfasst neben der Aluminiumproduktion auch die Ferrolegierungen, chemische Industrie, Mineralstoffindustrie, Mineraldünger, Raffinerien und Holzverarbeitung. Nach Öl und Gas bilden Industrieprodukte die größte Gruppe an Exportgütern und machen einen Anteil von etwa 20 Prozent des norwegischen Exportwerts aus. Zwischen 80 und 90 Prozent des Produktionswertes der Prozessindustrie werden exportiert (65 Prozent der chemischen Industrie).

Eigene Emissionswerte senken

Ein Großteil der Treibhausgasemissionen in Norwegen war lange Zeit auf die Prozessindustrie zurückzuführen. 1990 lag das Niveau bei fast 38 Prozent des gesamten CO2-Austoßes. In den letzten Jahren hat die Branche gezielt ihre Werte evaluiert und stark reduziert. 2015 war die Prozessindustrie zwar noch immer die zweitgrößte Emissionsquelle im Land, mit 22 Prozent entfiel jedoch ein deutlich geringerer Anteil am Gesamtausstoß auf diese Branche als noch vor 25 Jahren. Verglichen mit den Emissionswerten von 1990 sind die Emissionen aus der Prozessindustrie in diesem Jahr um 39 Prozent zurückgegangen. Grund dafür sind Maßnahmen wie technologische Verbesserungen und ein geringerer Einsatz von Ölprodukten, aber auch die Einstellung von Industriezweigen mit hohen Emissionsniveaus wie der Magnesiumproduktion.

Während es der Industrie gelungen ist, die Emissionen deutlich zu senken, konnte die Produktion gleichzeitig um 32 Prozent gesteigert werden. Dass die Branche weitgehend Energie aus Wasserkraft nutzt, macht die norwegische Prozessindustrie zu einer der saubersten der Welt. Dennoch müssen die Emissionen weiter sinken, wenn die im Pariser Abkommen formulierten Klimaziele erreicht werden sollen – und das Ziel Emissionsfreiheit lautet.

In dem 2016 veröffentlichten Strategiepapier von Norsk Industri steht, wie die Branche bis ins Jahr 2050 zu einer emissionsfreien Gesellschaft beitragen und gleichzeitig die Wertschöpfung erhöhen will. Nach Angaben des Branchenverbands liegt die Antwort in der Abwendung vom linearen Modell hin zu einer gesteigerten Wertschöpfung durch eine systematischere kreislaufwirtschaftliche Denkweise: „Traditionell gesehen hat die Prozessindustrie Ressourcen stets optimal ausgenutzt. Der Hauptfokus lag jedoch auf linearen Prozessen wie Rohstoffkosten, Prozesseffizienz und Mineralisierung von Abfällen und Nebenprodukten (…). Es besteht weiterhin ein großes Potential in Abfall- und Nebenströmen durch potentielle Rohstoffe für neue Produkte und die Nutzung von Abwärme“, heißt es im Strategiepapier.

Der Wert von Abfall

Die Prozessindustrie produziert viel Abfall und überschüssige Masse. In der Kreislaufwirtschaft wird dieser Abfall in Wert umgewandelt, mit dem Ziel, die Ressourcen durch mehrfache Verwendung so lange wie möglich in der Wirtschaft zu halten. Die Kreislaufwirtschaft basiert auf dem Grundsatz, dass die Ressourcen der Erde begrenzt sind. Daher muss der Einsatz von Primärrohstoffen begrenzt und die Herstellung von Produkten ohne Anschlussmärkte reduziert werden.

2007 wurde auf Initiative von zehn großen Industrieunternehmen in Südnorwegen ein Industriecluster für die Prozessindustrie gebildet. Elf Jahre später ist das Eyde-Cluster ein wichtiger Innovationstreiber für die norwegische Industrie. Mehrere FuE-Projekte widmen sich der Kreislaufwirtschaft, um industrielle Abfallmengen deutlich zu reduzieren: „Bei jeder Produktion gibt es Materialreste. Vor fünf Jahren haben wir begonnen, Abfallströme von Unternehmen abzubilden, um zu sehen, ob diese in irgendeiner Weise weiterverkauft werden können. Nach fünf Jahren Forschung sind die Abfälle von drei Unternehmen zu einem marktfähigen Produkt geworden, mit diesen alten Ressourcen wurden neue Gewinne erzielt“, sagt die Leiterin des Eyde-Clusters Helene Falch Fladmark in der Tageszeitung Arendal Tidende zum zehnjährigen Jubiläum des Clusters im vergangenen Jahr.

Ein Projekt des Eyde-Clusters heißt Waste to Value. Es wurde im Jahr 2016 mit dem Ziel gestartet, Metalle aus Abfall zu gewinnen, anstatt diese auf Mülldeponien zu sammeln: „In diesem Projekt werden die oxid- und kohlenstoffhaltigen Nebenströme von Alcoa, Eramet und Glencore Nikkelverk mit der entsprechenden Versuchsausrüstung und dem Know-how der Industriebetriebe Elkem, ReSiTec und Sintef dazu genutzt, Fe-Mn-Ni-Legierungen zu produzieren und diese zu verkaufen“, schreibt das Cluster auf seiner Webseite. Das Projekt läuft über zwei Jahre und befindet sich mittlerweile in der Projektschlussphase.

Ein weiteres kreislaufwirtschaftliches Projekt ist Eyde Biokarbon, das sich der Herstellung von umweltfreundlichem Biokohlenstoff aus norwegischem Holz verschrieben hat. In der Prozessindustrie eingesetzte fossile Rohstoffe wie Kohle und Koks sollen zukünftig durch Biokohlenstoff ersetzt werden. Der Einsatz von Kohle und Koks als Reduktionsmittel in der Metallproduktion ist für die größten industriellen Prozessemissionen verantwortlich. Biokohlenstoff könnte somit erheblich zur Reduzierung der Gesamtemissionen beitragen.

Norsk Industri schreibt in seinem Strategiedokument, dass das Potenzial für eine Emissionsreduzierung in der Ferrosiliziumindustrie mit Biokohlenstoff bis ins Jahr 2030 bei 150 000 Tonnen CO₂-Äquivalente liegen könnte. Das Biokohlenstoff-Projekt wird von der Industrie und dem norwegischen Forschungsrat finanziert und befindet sich derzeit in der Endphase. Es bleibt abzuwarten, wie es in den nächsten Jahren in der Industrie getestet und schrittweise umgesetzt werden kann.

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