Color Line sorgt für reibungslosen Warenfluss

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Die Sicherung des Warentransports von und nach Norwegen gehört zu den wichtigsten Aufgaben in dieser herausfordernden Zeit. In den letzten zehn Tagen verzeichnete Color Line, Norwegens größte Reederei im internationalen Passagier- und Güterverkehr und Mitglied im bilateralen Netzwerk der AHK Norwegen, eine höhere Nachfrage für Transportaufträge. Die Schiffe sind ausgelasteter als sonst – und Color Line fokussiert sich auf die Aufrechterhaltung der für den Güterverkehr wichtigen Frachtlinien.

Am 14. März wurde bekannt gegeben, dass Color Line den gesamten Personenverkehr mit den Cruiseschiffen M/S Color Fantasy und M/S Color Magic zwischen Oslo und Kiel aufgrund der Corona-Pandemie eingestellt hat. Die Fahrten der M/S Color Viking und M/S Color Hybrid zwischen Sandefjord und Strømstad sowie SuperSpeed 1 zwischen Kristiansand und Hirtshals in Dänemark wurden in den darauffolgenden Tagen ebenfalls ausgesetzt.

„Es war klar, dass wir mit dem Ausfall der M/S Color Fantasy und M/S Color Magic einen Teil unserer Kapazitäten verlieren, da diese Fähren auch Waren transportieren. Dadurch sind unsere Kapazitäten ziemlich unter Druck geraten“, berichtet Trond Tønjum, Vertriebs- und Marketingleiter bei Color Line Cargo. „Wir fahren nun drei Mal pro Woche mit dem Frachtschiff Color Carrier zwischen Oslo und Kiel. Darüber hinaus betreiben wir unsere SuperSpeed-Fähren zwischen Larvik und Hirthals sowie Kristiansand und Hirthals mit einem normalen Takt in Larvik und einer Hin- und Rückfahrt pro Tag in Kristiansand. Diese Fahrten sind ausschließlich für Fracht und Fahrer vorgesehen.“

Tønjum erzählt, dass das Unternehmen in der aktuell kritischen Situation stets prüft, wie die Flotte bestmöglich genutzt werden kann, um den Warentransport von und nach Norwegen sicherzustellen. „Wir werden weiterhin so viel Fracht wie möglich mit unseren Schiffen befördern, aber wir bewerten ständig Angebot und Nachfrage und passen unsere Produkte entsprechend an.“

Güterverkehrsknotenpunkt in Oslo und Kiel

Seit Anfang 2019 setzt Color Line verstärkt auf den Speditionsbetrieb. Mit dem neu eingeführten RoRo-Schiff Color Carrier, können jährlich 80 000 Container zwischen Oslo und Kiel verschifft werden. In der Corona-Krise hat der Frachter eine besonders wichtige Funktion, denn ein Großteil der Fracht kann ohne Fahrer transportiert werden.

„Auf der Strecke Oslo-Kiel haben wir einige bemannte Lastwagen, aber wir transportieren zunehmend nur noch die Anhänger. Die Lastwagen fahren in den Kieler Hafen ein, wo wir die Anhänger mit unserer eigenen Ausrüstung auf die Schiffe ziehen. So müssen wir weder die Fahrerkabine noch den Fahrer transportieren. Die Ladung wird anschließend in Oslo an Land gezogen, abgeholt und zu den Kunden ausgefahren. Die Kunden mit dieser Lösung haben in Oslo und Kiel einen Hub eingerichtet, um die Logistikkette und den Bedarf von Lastwagen und Fahrern zu optimieren.“

Tønjum berichtet, dass die Fahrer, die weiterhin mit an Bord sind, aufgrund der Ansteckungsgefahr strenge Regeln befolgen müssen. „Alle Transportunternehmen haben klare Anweisungen erhalten, den Infektionskontrollvorschriften der europäischen und norwegischen Behörden zu folgen, um den Warenfluss und -transport aufrechtzuerhalten. Wenn die Fahrer in Kiel ankommen, müssen sie eine Selbsterklärung ausfüllen, aus der hervorgeht, dass sie die Vorschriften eingehalten und keine Krankheitssymptome haben – genauso ist es auch in Oslo.“

Wichtige intermodale Transportlösung

Im Oktober 2019 hat Color Line außerdem eine neue mehrgliedrige Transportkette eingeführt, die die in Kiel mit der Color Carrier eintreffende Fracht weiter nach Verona, Basel, München, Ludwigshafen, Duisburg und andere wichtige Städte in Mitteleuropa bringt. Diese Lösung ist eine Zusammenarbeit mit dem deutschen Logistikdienstleister und Eisenbahnverkehrsunternehmen Kombiverkehr. Laut Tønjum könnte dieses Angebot nun besonders wichtig sein, da Grenzkontrollen und Wartezeiten beim Warentransport mit Güterzügen vermieden werden.

„Wenn die Anhänger aus Oslo in Kiel ankommen, heben wir diese auf spezialgefertigte Zugwaggons, bevor der Zug zu weiter südlich gelegenen Destinationen fährt. Angesichts der Lage in Italien ist diese Route derzeit besonders wichtig. Vor kurzem haben wir erfahren, dass ein Lastwagen 48 Stunden an der Grenze zwischen Italien und Österreich warten musste. Werden die Waren mit dem Zug transportiert, vermeidet man Grenzkontrollen und spart viel Zeit.“

Mit dem intermodalen Angebot von Color Line kann der Hub von Kiel auf andere Knotenpunkte in weiten Teilen Europas verlagert werden: Die Waren kommen im Bahnhof an, die Anhänger werden ohne Fahrer und Fahrerkabine auf den Zug gehoben und direkt zum Kieler Terminal gefahren. Hier wiederholt sich der Prozess: Die Fracht wird abgeladen ohne Fahrer an Bord der Color Carrier gezogen und schließlich nach Oslo verfrachtet.

„Die Lösung von und nach Verona ist sehr nachgefragt. Der Zug fährt Donnerstagabend von Verona und kommt am Sonntagabend zur Auslieferung in Oslo an. Eine Fahrt mit dem Lastwagen dauert ungefähr sechs Tage. Mit unserer Lösung schaffen wir die Strecke in 64 Stunden.“

Stellen Sie eine erhöhte Warenzufuhr durch die Corona-Pandemie fest?

„In den letzten zehn Tagen haben wir tatsächliche eine höhere Nachfrage mit mehr Bestellungen und volleren Schiffen als normal gesehen. Ich kann jedoch keine Angaben darüber machen, ob es sich dabei um mehr oder weniger Nahrungsmittel handelt, aber mein Eindruck ist, dass es auf jeden Fall nicht weniger geworden sind“, so Tønjum.