Deutsch-Norwegische Energiepartnerschaften – Status Quo

Der Countdown läuft: Am 17. September trifft sich das Who-is-who der Energiebranchen zum jährlichen German-Norwegian Energy Dialogue im Høymagasinet in Oslo. In 2023 war das Interesse an den deutsch-norwegischen Energiepartnerschaften groß. Der Energy Dialogue konnte dem mit einem erstklassigen Programm gerecht werden und verzeichnete ein enormes Wachstum an Teilnehmer*innen. Doch wie sieht der Status Quo 2024 aus und welche Punkte der deutsch-norwegischen Zusammenarbeit stehen weiterhin im Fokus? Das Team des German-Norwegian Energy Dialogue gibt Antworten.

Das Jahr 2023 war geprägt vom großen Interesse an den bilateralen Energiepartnerschaften. War dieses Interesse auch zum Jahresende anhaltend?

Hanne Marit Grønning Strand, Head of Stakeholder Relations & Energy: Ja, auch die Zeit nach dem Energy Dialogue war von Energie-Neuigkeiten geprägt. Im November veröffentlichten Gassco und Dena die Machbarkeitsstudie zum Aufbau einer Wasserstoff-Wertschöpfungskette zwischen Norwegen und Deutschland. Damit wurde der Grundstein für die weitere Zusammenarbeit, der gemeinsamen Task Force, die die Ergebnisse der Machbarkeitsstudie weiterverfolgt, gelegt. Seit Januar 2024 wird die Arbeitsgruppe von einem externen Projektmanager geleitet, der die Fortschritte koordiniert.

Das norwegische Königshaus hat die Bedeutung des Themas ebenfalls erkannt und stattete Deutschland im November 2023 einen Besuch ab, bei dem die Themen Energie und grüner Wandel im Fokus standen.

SKH Kronprinz Haakon von Norwegen brachte es dabei auf den Punkt: „Deutschland ist für Norwegen heute einer der wichtigsten europäischen Partner“.

Konnte das Interesse in 2024 hochgehalten werden?

Andreas Sollohub Stensaker, Projektmitarbeiter Stakeholder Relations: Norwegen hat sich im April 2024 als Partnerland auf der Hannover Messe präsentiert. Das war eine sehr intensive Woche, in der wichtige Ergebnisse der Zusammenarbeit präsentiert wurden. Bundeswirtschafts- und Klimaschutzminister Robert Habeck hat gemeinsam mit dem norwegischen Energieminister Terje Aasland den Fortschrittsbericht der Wasserstoff-Task Force sowie eine Roadmap des BMWK zur erwarteten Wasserstoff-Nachfrage in Deutschland im Deutsch-Norwegischen Kontext vorgestellt.

Daran anknüpfend hat das Bundeskabinett im Juli die Importstrategie für Wasserstoff und Wasserstoffderivate beschlossen, in der Norwegen mehrfach explizit erwähnt wurde. Im August hat das Kabinett dann die Eckpunkte der sogenannten Carbon-Management-Strategie beschlossen. Auch hier ist das Potential der Kooperationen groß.  

Hanne Marit Grønning Strand: Aber nicht nur Norwegen unterstreicht die Bedeutung der Zusammenarbeit durch politische Besuche.

Im August nahm mit Christian Maaß, Leiter der Abteilung Wärme, Wasserstoff und Effizienz des Bundesministeriums für Wirtschaft und Klimaschutz, erstmalig ein deutscher Politiker aktiv an einer Debatte im Rahmen der Arendalsuka teil.

Die Politik schafft die Rahmenbedingungen, wie sieht die Umsetzung der Energiepartnerschaften seitens der Industrie aus?

Hanne Marit Grønning Strand: Neben der politischen Ebene hat die deutsch-norwegische Energiezusammenarbeit auch auf industrieller Ebene eine große Bedeutung. Sponsoren und teilnehmende Unternehmen des German-Norwegian Energy Dialogue wie Aker Horizon, EnBW, equinor, Harbour Energy, VNG, OGE oder RWE sind in 2023 partnerschaftliche Projekte oder MoUs in den Bereichen Wasserstoff, CCS oder Offshore-Wind eingegangen. Aber auch DNV und Statkraft unterhalten bilaterale Projekte.

Dabei profitieren alle Seiten vom gegenseitigen Know-how und den Synergien, die die grenzüberschreitenden Projekte mit sich bringen. Ein gutes Beispiel dafür war die erste Offshore Wind Auktion in Norwegen, im März dieses Jahres. Ein Konsortium aus EnBW und Norseman Wind hatte sich dafür qualifiziert. Das Konsortium aus Equinor und RWE nahm aktiv an der Bieterrunde teil. Der Zuschlag für den Bau ging zwar an die belgische Ventyr, aber die deutsch-norwegischen Konsortien und alle entstandenen Kooperationen sind ein Anstoß für weitere Zusammenarbeit und werden mit Sicherheit auch beim Energy Dialogue 2024 im Zentrum der Debatten stehen.