Heizungs- und Kühlungsmarkt im Fokus: Deutsche Unternehmen knüpfen Kontakte in Norwegen

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Am 19. November fand auf Einladung der AHK Norwegen ein Seminar zum Thema Erneuerbares Beheizen und Kühlen von Gewerbe- und Industriegebäuden ein. Mit dem Besuch von fünf deutschen Anbietern aus der Branche sowie Teilnehmern aus dem norwegischen Markt war an dem Tag auch die Gelegenheit zum Erfahrungsaustausch und Netzwerken.

Das Seminar wurde im Auftrag des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie (BMWi) in Zusammenarbeit mit Energiewaechter im Rahmen einer großen Exportinitiative organisiert. Fünf deutsche Technologieanbieter reisten nach Norwegen, um sich über Geschäftsmöglichkeiten zu informieren und norwegische Kontakte aus dem Wärmesektor zu treffen. Über das Seminar hinaus organisierte die Handelskammer individuelle Treffen für die deutschen Unternehmen.

Großes Potential für bilaterale Zusammenarbeit

Norwegen ist ein stabil wachsender Markt, der nach Einschätzung der teilnehmenden deutschen Unternehmen zuverlässig ist und viele potenzielle Partner bietet. Bei der Arbeit an diesem Projekt hat die Handelskammer festgestellt, dass an der Solarenergie in Norwegen großes Interesse besteht. Obwohl der Solarmarkt Deutschland in den letzten Jahren gekriselt hat, bieten deutsche Unternehmen eine breite Palette von Technologien entlang der gesamten Wertschöpfungskette.

Ab 2020 wird das Heizen mit Öl in Norwegen verboten werden, was ein noch größeres Potenzial für erneuerbare und innovative Heizungslösungen für einzelne Gebäude und Bereiche bedeutet.

Herausforderungen in Deutschland

Das Seminarproramm umfasste Beiträge mehrerer Branchenexperten. Ein zentrales Thema waren die Rahmenbedingungen, die zur Erreichung des Ziels einer Branche für erneuerbare Wärme und Kälte erforderlich sind.

Dr. Eberhard von Rottenburg vom Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) erklärte in seiner Rede „The building sector as a key factor of German energy and climate policy“, dass Deutschland die nicht-erneuerbaren Ernergiequellen bis 2050 um 95 Prozent reduzieren will. Dies wird eine große Herausforderung sein, die drastische Veränderungen in fast allen Sektoren verlangt.

Trotzdem glaubt von Rottenburg, dass dieses Ziel erreicht werden kann, und dass die technischen Lösungen im Bereich der erneuerbaren Energien in der Bauindustrie bereits existieren. Was benötigt wird, ist laut von Rottenburg ein guter staatlicher Rahmen, der die Technologieneutralität betont.

Laut Barbara Münch von der Technischen Universität Berlin besteht eine große Herausforderung in Deutschland darin, dass erneuerbare Wärmelösungen durch Fernwärme, die in Deutschland weitgehend auf fossilen Energieträgern basiert, über den sogenannten Primärenergiefaktor der EU in Frage gestellt werden.

In Norwegen ist die Situation laut Anders Westin von Fortum jedoch etwas anders, da dort Fernwärme bereits zu fast 100 Prozent erneuerbar ist. Der Primärenergiefaktor berücksichtigt daher kaum die spezifischen Herausforderungen einzelner Länder.

Wasserstoffspeicherung als zukünftiges Wärmekonzept

Hallvard Benum von der Kongsberg Kommunale Eiendom KF sprach auf dem Seminar auch über das Projekt „Nye Vestsiden Ungdomsskole“, ein preisgekröntes Gebäude mit Wasserstoffspeicher für Heizung und Strom. Die Schule ist ein sogenanntes Plus-Haus, das in seiner „Lebenszeit“ mehr Energie produziert, als für den Bau verwendet wurde.

In der Vestsiden Ungdomsskole geschieht dies mit Hilfe der Energieerzeugung aus Solarzellen und Erdwärme. So kann die Sonnenenergie in Wasserstoff umgewandelt und für den gesamten Winter gespeichert werden. Die Sonnenkollektoren sind auf der Dachterrasse für die Schüler sichtbar. Auf diese Weise kann die Schule die technischen Lösungen in den Unterricht einbeziehen.

Der öffentliche Sektor spielt eine wichtige Rolle

Das Seminar wurde mit einer Podiumsdiskussion zwischen den Referenten abgeschlossen. Hier betonte Hallvard Benum, dass der öffentliche Sektor eine besondere Verantwortung dafür habe, zu einer stärkeren Nutzung erneuerbarer Energien beizutragen: „Der öffentliche Sektor sollte allen anderen Marktteilnehmern den Weg weisen. Zudem sollte der Sektor auch aktuelle Projekte im Bereich erneuerbares Heizen und Kühlen unterstützen.“

Tim Ulrich Baumann, der zu Beginn des Seminars über norwegische Trends in der Heizungsbranche sprach, beschrieb in der Podiumsdiskussion die Priorisierung des Energieverbrauchs als eine der Herausforderungen in der Heizungs- und Kühlungsbranche. SINTEF zufolge ist Strom eine wenig effiziente Art, Gebäude zu heizen, da bei der Produktion große Mengen an Energie in Form von Wärme verloren gehen. Stattdessen könnten erneuerbare Wärmequellen wie Fernwärme, Solarenergie oder Wärmepumpen genutzt werden. Baumann forderte einen stärkeren Fokus auf den Einsatz solcher Wärmequellen:

„Für Elektrizität gibt es viele Verwendungszwecke, aber Wärmequellen können nur zum Heizen verwendet werden. Deshalb sollten wir uns meiner Meinung nach darauf konzentrieren.“

Die folgenden deutschen Unternehmen nahmen am Seminar teil und führten an den darauffolgenden Tagen Gespräche mit norwegischen Unternehmen.