Eine Fabrik als Schaufenster für Nachhaltigkeit

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Der Outdoor-Möbelhersteller Vestre errichtet seine neuen Fertigungsanlagen im norwegischen Wald und möchte damit das Denken über Fabriken verändern.

Jan Christian Vestre war erst 25 Jahre alt, als er die 1947 von seinem Großvater gegründete, gleichnamige Firma übernahm. 2019, sieben Jahre später, wurde er zum norwegischen Unternehmer des Jahres gekürt. Der inzwischen 34-jährige ist getrieben von der Mission die Branche zu verändern, weg vom Druck jährlich neue Produkte zu entwickeln, hin zu einer lebenslangen Nachhaltigkeit. Der Fokus seines unternehmerischen Handelns liegt vor allem darin, eine bessere, nachhaltige Welt zu schaffen. Dies gelingt Vestre so gut wie kaum einem anderen Unternehmen, ohne dabei die Profitabilität zu verlieren.

Werk mitten im Wald

Jetzt setzt Vestre den nächsten Schritt seiner Vision um: Mit The Plus möchte er profitable und angenehme Arbeitsplätze schaffen und gleichzeitig die Natur und Biodiversität schützen und Klimakrise entgegenwirken. The Plus ist der Name für die neue Fabrik des Unternehmens, mit der Vestre Mensch, Produktion, Technologie, Architektur und Natur ineinander integrieren will. Etwa 100 Kilometer westlich von Oslo entsteht derzeit diese innovative und nachhaltige Möbelfabrik mitten im Wald. Die Fabrik, die bis zu 70 Arbeitsplätze schaffen soll, in deren alleinsichtigen Fertigungshallen Industrie-4.0-Technologien wie selbstlernende Roboter und autonome Gabelstapler zum Einsatz kommen sollen, soll gleichzeitig Besuchermagnet und Lebensraum für Flora und Fauna sein.

Das von der dänischen Bjarke Ingels Group (BIG) entworfene Areal ist mehr als eine Fabrik im Wald. Es umfasst neben dem für Besucher zugänglichen futuristischem Werk auch einen 300 Hektar großen Erlebnispark mit Kunstinstallationen, Poesie und Spielplätzen. Weder das Gelände noch die Fabrik ist eingezäunt, alles ist zugänglich und gliedert sich in die Umgebung ein. Durch große Fenster können Menschen jederzeit in alle Bereiche der Fertigung schauen, sie können auf das Dach des Gebäudes gehen und die Architektur wie die Umgebung erkunden.

Die umweltfreundlichste Möbelfabrik der Welt

Die Fabrik selbst ist in die Umgebung eingepasst. Das große Plus wurde so konzipiert, dass es nur geringe Eingriffe in die Natur erfordert. Bäume, die für das Gebäude weichen mussten, wurden für den Bau der Fassade verwendet. The Plus erfüllt die höchste Umweltzertifizierung Breeam und wird dazu beitragen, dass Veste die Ziele des Pariser Klimaabkommens übererfüllen wird. Mithilfe von 1 200 Sonnenkollektoren wird das Werk 250 000 Kilowattstunden erneuerbare Energie produzieren, gleichzeitig werden mehr als 90 Prozent des Prozesswassers wiederverwendet. Die Klimatisierung des Gebäudes soll durch die Nutzung überschüssiger Wärme sowie mit Hilfe von Erdwärmebrunnen und Eiswasseranlagen reguliert werden. Auf diese Weise verringert sich der Energieverbrauch der Fabrik um etwa 90 Prozent zu vergleichbaren konventionellen Anlagen.

Auch bei der Zulieferung fährt Vestre nachhaltig. Mit The Plus stellt das AHK-Mitgliedsunternehmen auch seine Lastwagenflotte um: Zwischen dem bestehenden Werk in Torsby (Schweden), dass Komponenten der Möbelstücke produziert, und dem neuen Standort Magnor, wo die Fertigstellung und die Montage stattfindet, werden vollelektrische Tesla-Trucks pendeln.

The Plus ist für Jan Christian Vestre nicht allein eine Maßnahme, um den ökologischen Fußabdruck seines Unternehmens deutlich zu reduzieren. Er möchte mit diesem Projekt der Welt beweisen, dass grünes Wachstum möglich ist. Gleichzeitig geht es Vestre darum, zu zeigen, dass man auch von Skandinavien aus weltweit konkurrieren kann. The Plus soll ein Schaufenster für Nachhaltigkeit und hocheffiziente Fertigung sein und die Menschen dazu inspirieren, sich aktiv für mehr Nachhaltigkeit einzusetzen.