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In den letzten Jahren haben Kunststoffe und die damit einhergehende Verschmutzung viel Aufmerksamkeit erregt. Wir werden ständig dazu aufgefordert, Einwegplastik zu vermeiden, und werden in den Medien mit kritischen Bildern von Tieren voller Plastik konfrontiert. Auch mögliche gesundheitsgefährdende Effekte von Kunststoffen werden immer häufiger in der Öffentlichkeit thematisiert.

Aber was hat es mit der Kunststoffproblematik auf sich? Kommen wir auch ohne Plastikprodukte aus? Und welche Gefahren bergen Kunststoffe für Mensch und Natur?

50 Prozent aller Plastikabfälle aus Verpackungen

Kunststoff hat zahlreiche Vorteile, und wir sind heute vollständig von diesem Material abhängig. Plastik ist billig, leicht herzustellen, und es gibt viele verschiedene Typen mit unterschiedlichen Eigenschaften für jeden denkbaren Zweck. Dies hat in den letzten Jahren zu einer weltweiten Explosion bei der Verwendung von Kunststoffen geführt. In Kombination mit einer überlasteten Abfallentsorgung ist er nun jedoch zu einem großen Umweltproblem geworden.

Die norwegische Interessensorganisation „Framtiden i våre hender“ (dt. Die Zukunft in unseren Händen) veröffentlichte im Jahr 2018 einen Bericht über Kunststoffe in der heutigen Gesellschaft. Trotz der großen Bemühungen, die wir beim Sammeln und Sortieren von Kunststoffabfällen sehen, werden weniger als fünf Prozent des produzierten Kunststoffs tatsächlich recycelt. Aus dem Bericht geht auch hervor, dass aufgrund der stetig zunehmenden Verwendung von Einwegplastik fast 50 Prozent aller im Jahr 2015 anfallenden Kunststoffabfälle aus Verpackungen stammen.

Kunststoff wird erst seit rund 60 Jahren in Massenproduktion hergestellt. Daher ist es nicht möglich zu wissen, welche langfristigen Auswirkungen er auf die Umwelt und Gesundheit hat. Es ist auch nicht bekannt, wie viel Kunststoff sich in den Weltmeeren sammelt, und wie lange Plastikbestandteile dort verbleiben.

Schadstoffe und Folgen für die Gesundheit

Nicht nur unsere Umwelt hat mit der zunehmenden Verwendung von Kunststoff zu kämpfen. Oftmals findet sich in Kunststoffen eine große Menge synthetischer Stoffe und Additive, um Eigenschaften wie Flexibilität, Farbe, Haltbarkeit und Langlebigkeit zu verändern. Es gibt keine strengen Regeln oder Kontrollen, welche Stoffe hinzugefügt werden dürfen, und daher haben wir als Verbraucher oft keine Möglichkeit, zu prüfen, welche Stoffe wir letztlich zu uns nehmen.

„Seit den 50er-Jahren explodiert der Einsatz dieser Chemikalien. Gleichzeitig sehen wir eine Zunahme bestimmter Krankheiten. Insbesondere durch Entzündungen und eine schwache Immunabwehr bedingte Krankheiten wie Asthma, Allergien, Multiple Sklerose und chronisch-entzündliche Darmerkrankungen haben in dieser Periode einen starken Anstieg verzeichnet. Wir wissen, dass die Zunahme nicht durch Genveränderungen zu erklären ist. Sie muss also auf die Änderung unserer Lebensweisen und Umwelteinflüsse zurückzuführen sein, und damit auch auf Chemikalien in unserer Umgebung“, erklärt Bendik Brinchmann, Arzt, Forscher und Übersetzer des Buches „Håndbok for en giftfri barndom“ (dt. Handbuch für eine schadstofffreie Kindheit) im Rahmen von „Foreldrerådet“, einem Ratgeber-Podcast für Eltern.

Die Forschung beschäftigt sich viel mit Toxinen und ihren gesundheitlichen Auswirkungen, aber unser Wissen ist immer noch nicht ausreichend, weil es so viele verschiedene Stoffe gibt, und weil es schwierig ist, zu messen, in welchem Grad wir sie aufnehmen. „Damit etwas ein Risiko darstellt, reicht es nicht aus, dass es gefährlich ist. Wir müssen herausfinden, inwieweit wir dieser Gefahr ausgesetzt sind. Der große Elefant im Raum ist, dass wir zwar einzelne Stoffe erforschen, aber zu wenig über die Wechselwirkungen wissen. Als Forscher müssen wir ehrlich sein und uns eingestehen, dass nur sehr wenige von uns überhaupt etwas mit Sicherheit zu diesem Thema sagen können, weil die Aufgabe so komplex ist, und es einfach zu viele verschiedene Stoffe gibt“, erzählt er weiter.

Verschiedene Kunststoffe für verschiedene Zwecke

Es gibt jedoch ein paar einfache Tipps, wie man sich vor Chemikalien schützen kann: „Wenn Sie viele neue Produkte kaufen, insbesondere Kunststoffprodukte, nehmen Sie viele Schadstoffe mit nach Hause. Um dies zu vermeiden, sollten Sie Ihren Konsum reduzieren. Und wenn doch neue Produkte im Einkaufswagen landen, sollten Sie diese gründlich spülen und eine Weile lüften. Die entweichenden Stoffe sind nämlich das eigentliche Problem.“

Ein weiterer Faktor, der für Verbraucher gesundheitsschädlich sein kann, ist die Verwendung von Kunststoffen, die eigentlich für andere Zwecke gedacht sind. Zum Beispiel benutzen wir leere Eiscreme-Boxen zum Aufbewahren von heißen Speiseresten, Wasserflaschen, die lange in einem warmen Auto waren, oder wir lagern fetthaltige Lebensmittel in ungeeigneten Verpackungen. Produkte, die für einen bestimmten Zweck als unbedenklich eingestuft wurden, können unter anderen Umständen Chemikalien abgeben, auf die sie nicht getestet wurden.

„Für das Aufwärmen von Lebensmitteln in Plastikboxen habe ich eine Grundregel: Lassen Sie es sein! Warme Essensreste gehören ebenfalls nicht in Kunststoffbehälter. Die Schadstoffe in diesen Behältern sind flüchtig und entweichen häufiger bei Wärme. Verwenden Sie zum Aufwärmen lieber einen Teller oder ein Glas. Wenn kaltes Essen in Plastikboxen aufbewahrt wird, ist dies übrigens weniger bedenklich“, meint Brinchmann.

Im Bericht wird auch auf Mikoplastik hingewiesen, das Verbindungen und Chemikalien aus dem Meerwasser absorbiert. Wenn Fische kleine Kunststoff-Teilchen aufnehmen und dann auf unseren Tellern landen, wissen wir nicht genau, wie viele Schadstoffe uns mit unserem Gericht serviert werden.

Brinchmann hat noch einen abschließenden Tipp für den Kauf von Kunststoffartikeln: „Riecht es giftig, lassen Sie es am besten im Geschäft stehen“.

Sind abbaubare und Biokunststoffe die Lösung?

Heutzutage werden viele verschiedene Kunststofftypen hergestellt, und es ist nicht immer einfach, diese zu unterscheiden.

Bioplastik ist ein Kunststoff der in allen Eigenschaften einem fossilen Kunststoff ähnelt, aber aus Biomasse besteht und nicht auf Öl und Gas basiert. Dies sagt jedoch nichts darüber aus, wie biologisch abbaubar der Kunststoff ist. Biokunststoff und fossiler Kunststoff sind von vergleichbarer Qualität und können recycelt werden.

Biologisch abbaubarere Kunststoffe und kompostierbare Materiale sind dagegen nachhaltiger. Es kann jedoch lange dauern, bis sie abgebaut sind, und dies ist möglicherweise nur in speziellen Industriekompostanlagen möglich. Hier gibt es große Unterschiede, aber zumeist sind die heutigen Kunststoffe nicht von ausreichender Qualität. Darüber hinaus sind sie nicht recycelfähig – sie können sogar die Qualität verringern, wenn sie mit herkömmlichen Kunststoffen entsorgt und recycelt werden.

Keine schnellen Lösungen verfügbar

Kunststoff ist ein wichtiges und vielseitiges Material, ohne das wir nicht leben können. Es gibt Untersuchungen, die zeigen, dass die richtige Verwendung von Kunststoff positive Auswirkungen auf das Klima haben kann. Den übermäßigen und falschen Gebrauch von Kunststoff gilt es zu reduzieren. Auch wenn wir den Anteil an Biokunststoffen erhöhen oder sich die Qualität von abbaubaren Materialien verbessert – es ist nicht die Lösung. Eine Produktion und ein Verbrauch, der wie heute weiterwächst, erfordern viele Ressourcen und Energie, und stellen nicht zuletzt die Abfallwirtschaft vor große Herausforderungen.

Ein Teil des Plastikabfalls stammt aus der Industrie und der Wirtschaft. Politiker und Wirtschaftsakteure müssen das Problem aktiv angehen, wenn wir eine Lösung finden wollen. Wenn jedoch im Jahr 2015 die Hälfte aller Kunststoffabfälle aus Verpackungen stammt, wird deutlich, dass auch wir als Verbraucher die richtigen Entscheidungen treffen müssen.

Wir können anfangen, indem wir mehr auf Plastikprodukte in unserer Umgebung achten und unseren Bedarf noch einmal überdenken. Zudem können wir versuchen, alternative Lösungen zu Einwegplastik zu finden, und unseren Verbrauch insgesamt zu reduzieren.

Trine Jess
Übersetzung: Julia Pape