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Seit dem 1. Juni hat die AHK Norwegen einen neuen Geschäftsführer. Michael Kern, der von der AHK Polen nach Nordeuropa wechselte, ist aber kein Unbekannter. Im Kammernetzwerk war er in den letzten 20 Jahren bereits als Geschäftsführer an verschiedenen Standorten tätig, und auch in Norwegen hat Kern bereits Fußspuren hinterlassen. Wir sprachen mit Michael Kern und begrüßen ihn herzlich bei der AHK Norwegen.

Sie sind seit mehr als 25 Jahren Teil des AHK-Netzwerks. Erzählen Sie uns von Ihren Stationen.

In den letzten 20 Jahren war ich als AHK-Geschäftsführer in Mittelosteuropa tätig. Unmittelbar vor meiner jetzigen Station in Norwegen war ich fast neun Jahre in Polen, davor in der Slowakei und in Tschechien. Meine erste Station hatte ich hier in Norwegen, wo ich damals als Praktikant angefangen habe.

Wie sind Sie in das Kammersystem gekommen?

Das war eigentlich zufällig. Ich habe in Kiel und Karlsruhe VWL studiert und dabei jemanden kennen gelernt, der bei der AHK in Barcelona ein Praktikum gemacht hat. Ich wusste gar nicht, dass es so etwas wie Auslandshandelskammern gibt. Da ich in Kiel war, hatte ich eine gewisse Affinität zum Norden Europas, und habe mich für ein Praktikum in Schweden, Norwegen und Finnland beworben. Ich habe recht schnell eine Zusage für Norwegen bekommen und so kam es, dass ich hierher kam.

War das auch ein Grund für Sie, sich für die Stelle des Geschäftsführers in Norwegen zu bewerben?

Sicherlich habe ich die Zeit damals als sehr angenehm in Erinnerung behalten. Für mich war es nach 20 Jahren in Ländern, die sich noch in einem Transformationsprozess befinden, vor allem aber sehr reizvoll, in ein Land zu gehen, das diesen Prozess schon lange hinter sich gelassen hat, und bei der technologischen wie volkswirtschaftlichen Entwicklung ganz vorne dabei ist.

Ein weiterer Grund für Norwegen sind die Superlative, die das Land in den vergangenen Jahren erreicht hat. Als ich Anfang der neunziger Jahre hier war, hatte Norwegen gerade eine Bankenkrise hinter sich, und von Superlativen war noch nicht so viel die Rede. Jetzt ein sehr stark entwickeltes Land zu haben, das bei Themen wie der Energieversorgung ein strategischer Partner für Deutschland sein kann, das mit Oslo als Umwelthauptstadt Pilotprojekte durchführt, das sich im Bereich der Nachhaltigkeit und CO2-Reduktion stark engagiert, hier Lösungen testet, die auch für andere Länder interessant sein können, ist natürlich unglaublich spannend und herausfordernd.

Das Ziel besteht immer darin, auf die Möglichkeiten aufmerksam zu machen, die sich deutschen Unternehmen in Norwegen in den genannten Bereichen sowie beim Thema Infrastruktur bieten. Und natürlich darin, norwegischen Firmen beim Markteintritt in Deutschland behilflich zu sein.

Wo sehen Sie in Ihrem Wechsel von Mittelost- nach Nordeuropa die größten Herausforderungen?

Die Herausforderungen bestehen zum einen darin, sich im Markt auf komplett neue Themen einzustellen. Im Energiebereich gibt es beispielsweise eine ganz andere thematische Ausrichtung als wir sie in Polen hatten. Das Einarbeiten in die neuen Themenfelder ist eine Aufgabe, auf die ich mich freue. Eine weitere Herausforderung ist es, Norwegen auch über den Tourismus hinaus in Deutschland sichtbar zu machen. Und natürlich stellt eine andere Kultur auch immer Herausforderungen dar.

Apropos Kultur, sprechen Sie Norwegisch?

Ich hoffe, ich habe nicht all zu viel von damals vergessen. Ich verstehe noch einiges und bitte um etwas Geduld, wenn ich hier und da noch Fehler mache.

Sprechen Sie die Sprachen aller Länder, in denen Sie bisher tätig waren?

Ich habe versucht, die Sprachen überall zu lernen, und lerne sie immer noch. Wenn man in einem Land lebt, ist es immer einfacher, wenn man die Sprache lernt und weiß, was um einen herum passiert und wie man sich im alltäglichen Leben verständigen kann.

Welche Schwerpunkte liegen Ihnen besonders am Herzen?

Mir ist es erst einmal wichtig, eine Bestandsaufnahme zu machen, mit den Kollegen, den Mitgliedern und auch dem Vorstand zu sprechen, und zu hören, wo sie die Schwerpunkte sehen.

Eine AHK hat in meinen Augen drei große Säulen. Zum ersten sind das die Geschäftsbereiche, in denen die Handelskammern Kunden an die Hand nehmen und zum anderen Land beraten. Mir ist es dabei sehr wichtig zu unterstreichen, dass eine AHK keine Einbahnstraße in das jeweilige Gastland ist, sondern das wir auch für den Markteintritt in Deutschland zuständig sind. Der Mitgliederbereich ist, auch als Instrument der Förderung bilateraler Wirtschaftsbeziehungen, eine weitere Säule der Auslandshandelskammern. Der dritte Bereich ist die politische Rolle. Das heißt, wenn nötig als Interessensvertretung tätig zu sein, die sich auf Rahmenbedingungen für wettbewerbs- und ordnungspolitische Grundsätze beruft. Diese drei Säulen halte ich für das Bild einer AHK für immens wichtig. Sie sind unser bedeutendstes Instrument, um im Land eine gewisse Akzeptanz zu erreichen. Wie dieser Dreiklang ausgestaltet wird, muss man dann von Fall zu Fall und von Thema zu Thema prüfen.

Gibt es Projekterfahrungen aus Polen, die Sie hier in Norwegen implementieren wollen?

Wir haben einige Bereiche gehabt, die sich in Polen sehr gut entwickelt haben. Das hängt aber immer auch mit den Gegebenheiten im Markt zusammen. So haben wir beispielsweise eine Vielzahl von Regionalbüros aufgebaut, die sich aus der riesigen Fläche des Landes und der Firmendichte in den einzelnen Landesteilen ergaben. Ob sich das allerdings auf Norwegen, ein Land mit einer deutlich dünneren Bevölkerungsdichte, übertragen lässt, kann ich noch nicht einschätzen.

Welche Erwartungen haben Sie an die neuen Aufgaben?

Ich freue mich darauf, mich mit zukunftsorientierten Themen auseinandersetzen zu können und zu müssen. Es wird spannend sein zu sehen, in welchen Themen man sich positionieren kann, und welche Nischen wir finden können. Norwegen ist ein Markt, der sich nicht durch seine Größe, sondern durch seine interessanten Projekte auszeichnet. Und da erhoffe ich mir, mit der Handelskammer und mit dem gesamten Team tätig werden zu können.