Norwegen bleibt attraktiver Wirtschaftsstandort

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Die deutsch-norwegischen Wirtschaftsbeziehungen sind auch in Krisenzeiten stark. Obwohl sich die Stimmung infolge der Covid-19-Pandemie abgekühlt hat, ist das Geschäftsklima in Norwegen besser als erwartet. Dies ergab die Konjunkturumfrage, die im Mai 2020 von der AHK Norwegen unter ihren 850 deutschen und norwegischen Mitgliedsunternehmen sowie anderen ausländischen Investoren durchgeführt wurde.

Deutschland ist Norwegens zweitwichtigster Handelspartner. Im Rahmen der Deutschlandstrategie der norwegischen Regierung wird die bilaterale Zusammenarbeit seit Jahrzehnten zielgerichtet gestärkt. Für den Import deutscher Waren und den Export norwegischer Festlandswaren war 2019 ein Rekordjahr. Die gegenwärtige Wirtschaftslage beurteilen die meisten Unternehmen mit Geschäftsaktivitäten in beiden Ländern angesichts von Covid-19 als befriedigend (43,1 Prozent) oder schlecht (31,9 Prozent). Immerhin ein Viertel der Unternehmen bezeichnet die geschäftliche Situation als gut, wobei deutsche Unternehmen positiver eingestellt sind als norwegische Akteure (39 Prozent verglichen mit 10 Prozent).

Deutsche Unternehmen schätzen gute Rahmenbedingungen in Norwegen

Die Attraktivität Norwegens als Wirtschaftsstandort hat sich in den letzten drei Jahren verbessert (31,9 Prozent) oder ist unverändert geblieben (43,5 Prozent). Fast jedes fünfte deutsche Unternehmen sieht auch angesichts von Covid-19 in diesem Zeitraum eine Verbesserung der Geschäftsbedingungen in Norwegen. Die politische und wirtschaftliche Stabilität des Landes sowie die Rahmenbedingungen für Digitalisierung werden als besonders positive Faktoren angeführt. Außerdem werden die öffentliche Verwaltung, das Ausbildungsniveau der Arbeitnehmer sowie der Zugang zu Finanzierung als positive Standortfaktoren identifiziert. Das Niveau der Lohnkosten wird hingegen am niedrigsten bewertet.

„Die Ergebnisse bestätigen, dass Norwegen ein attraktiver Markt für Konsum- und Investitionsgüter ist und auch bleibt. Die Umfrage soll in erster Linie ein Gradmesser für Unternehmen mit geplanten oder weiterführenden Auslandsaktivitäten sein. Sie ermöglicht uns aber auch, gemeinsam Lösungsansätze für Herausforderungen zu finden, um die bilateralen Handels- und Geschäftsbeziehungen weiter zu intensivieren“, sagt Michael Kern, geschäftsführendes Vorstandsmitglied der AHK Norwegen.

Vorsicht bei Geschäfts- und Investitionsentscheidungen

Für die kommenden zwölf Monate erwartet jedes vierte Unternehmen (27,8 Prozent) eine schlechtere Geschäftsentwicklung. Zwei Drittel der Unternehmen gehen allerdings von einer zufriedenstellenden oder positiven Entwicklung aus. Die Teilnahme Norwegens am europäischen Binnenmarkt hat dabei für fast die Hälfte der Unternehmen (44,9 Prozent) einen starken oder entscheidenden Einfluss auf Geschäfts- und Investitionsentscheidungen.

Die Hälfte der Unternehmen möchte weiterhin Investitionen in gleicher Höhe vornehmen (26,4 Prozent) oder diese sogar erhöhen (23,6 Prozent). Ein Viertel der Unternehmen (27,8 Prozent) plant, Investitionen zu verringern und jedes sechste Unternehmen (16,7 Prozent) setzt Investitionen vollständig aus. Eine ähnliche Prognose ergibt sich für die Arbeitsplätze: Die Mehrheit der Unternehmen geht vorerst von einer gleichbleibenden Beschäftigtenzahl aus (55,5 Prozent) oder will sogar neue Mitarbeiter einstellen (16,7 Prozent). Nur jedes vierte Unternehmen plant einen Personalabbau – dies betrifft insbesondere Handelsunternehmen (38 Prozent).

Herausforderungen für bilateralen Handel durch Covid-19

Obwohl das Geschäftsklima den Umständen entsprechend gut bewertet wird, hat die Pandemie einen enormen Einfluss auf die Geschäftstätigkeit der befragten Unternehmen: 79 Prozent erwarten einen deutlichen Umsatzeinbruch. Unter den deutschen Unternehmen rechnen 29 Prozent mit Umsatzverlusten zwischen 10 und 50 Prozent, bei den norwegischen Unternehmen sind es sogar mehr als die Hälfte (57 Prozent).

Besonders kritisch für die bilaterale Wirtschaft werden die derzeitigen Reisebeschränkungen (82 Prozent) sowie abgesagte Messen und Veranstaltungen (61,2 Prozent) gesehen. Zudem werden die geringere Nachfrage, die Stornierung von Aufträgen sowie verschobene oder gestrichene Investitionen von jeweils mehr als der Hälfte der Unternehmen als Risikofaktor genannt. Funktionierende Lieferketten und Logistik sehen knapp ein Drittel beeinträchtigt.

„Gemeinsam mit anderen Institutionen engagieren wir uns seit Jahren für die deutsch-norwegischen Wirtschaftsbeziehungen. Dieser Einsatz zahlt sich nun aus: Der bilaterale Handel ist zwar erwartungsgemäß geschwächt, aber langfristig nicht in Gefahr. Viele Projekte wurden in den letzten Monaten trotzdem fortgeführt oder initiiert. Insbesondere in den Bereichen Energie, Digitalisierung, Nachhaltigkeit und Infrastruktur sehen wir auch zukünftig Geschäftschancen für deutsche Unternehmen in Norwegen,“ meint Kern.

Weiterführende Informationen und Ergebnisse stellen wir gerne auf Anfrage zur Verfügung.