„Ich bin ein politischer Mensch, durch und durch“

Unsere deutsch-norwegische Arbeitsgruppe für Carbon Management hat eine Sprecherin gewählt: Pia Prestmo, Head of Public Affairs bei Heidelberg Materials Norway AS, übernimmt das Amt. Hier erzählt sie, warum ihr privater und beruflicher Hintergrund bei diesem Amt hilfreich ist, welche Themen sie anpacken will und warum die deutsch-norwegische Zusammenarbeit im Bereich CCS besonders wichtig ist.

Erzählen Sie uns ein wenig über Ihren Lebenslauf. Was ist Ihr Hintergrund?

Ich arbeite seit über zwei Jahrzehnten mit Innen- und Außenpolitik sowie Medien und habe dabei verschiedene Perspektiven eingenommen. Ich schätze, das macht mich zu einem politischen Menschen durch und durch: Es ist sowohl mein Hobby als auch mein Beruf.

Sie sind in Norwegen aufgewachsen. Was ist Ihre Verbindung zu Deutschland?

Ich arbeite für ein großes deutsches Unternehmen. Außerdem ging mein Sohn hier in Oslo auf die Deutsche Schule, also ist meine Verbindung zu Deutschland vielleicht etwas enger als bei einer durchschnittlichen Norwegerin, insbesondere nachdem ich das Glück hatte, das ausgezeichnete Team der AHK Norwegen kennen zu lernen!

Sie haben Erfahrung in der Zusammenarbeit zwischen Politik und Industrie. Warum ist das in Ihrer neuen Rolle als Sprecherin der Arbeitsgruppe und im CCS-Bereich generell wichtig?

Meine Erfahrung im Umgang mit regulatorischen Fragen aus unterschiedlichen Blickwinkeln hilft mir, die Bedürfnisse und Bedenken der Mitglieder unserer Arbeitsgruppe sowie externer Entscheidungsträger und Opinion Leader besser zu verstehen. Sich in die Lage der anderen Partei zu versetzen, ist immer ein guter Ausgangspunkt, wenn wir versuchen, gemeinsame Interessen zu identifizieren und im Einklang das Allgemeinwohl zu verfolgen.

Besonders im Zusammenhang mit dem grünen Wandel kann man einen wachsenden Bedarf an Dialog und Partnerschaften beobachten.

Dies nicht nur zwischen dem öffentlichen und dem privaten Sektor, sondern auch über längere Abschnitte der Wertschöpfungsketten hinweg. Um die tatsächlichen Kosten von CO2-Emissionen zu quantifizieren und zu integrieren, müssen wir unsere Interaktionsweise modernisieren und Standards sowie Anforderungen aktualisieren.Die Spielregeln ändern sich, und wir müssen sicherstellen, dass die Interessen der Mitglieder der Arbeitsgruppe berücksichtigt werden.

Was fasziniert Sie an dem Thema CCS/Kohlenstoffmanagement?

Politische Entscheidungsträger haben ehrgeizige Ziele für 2030 und darüber hinaus gesetzt und sind Verpflichtungen eingegangen, bei denen wir im privaten Sektor eine zentrale Rolle spielen. Laut der EU und der IEA ist der Fall klar: Ohne CC(U)S können wir die Reduktion von 55 % unserer Emissionen nicht erreichen. In meiner Branche, der Zementindustrie, sowie in anderen schwer zu dekarbonisierenden Sektoren bietet die Kohlenstoffabscheidung eine Lösung, um CO2-Emissionen signifikant zu reduzieren, nachdem alle anderen Maßnahmen ergriffen wurden. Wir haben bereits große Fortschritte gemacht. Wir haben fossile Brennstoffe schrittweise verbannt und das Design unserer Produkte geändert, um unsere Emissionen erheblich zu senken. Mit dem norwegischen Longship-Projekt, Europas erster vollständiger Wertschöpfungskette für die Abscheidung, den Transport und die Speicherung industrieller CO2-Emissionen, haben wir jetzt einen Weg, um Netto-Null zu erreichen.

Deutschland hat kürzlich CCS-Technologie eingeführt, während Norwegen bereits seit Jahren ähnliche Pilotprojekte betreibt. Was sind die nächsten Schritte in der Zusammenarbeit zwischen den beiden Ländern im Bereich CCS?

Ich bin überzeugt, dass wir unsere Ziele nur durch Zusammenarbeit erreichen, indem wir Best Practices in Bezug auf regulatorische und technische Fragen austauschen. In den vergangenen Jahren hatten wir mehrere Hundert internationale Gäste in unserem Werk in Brevik; Die große Mehrheit kam aus Deutschland. Ein besonderes Highlight war der Besuch von Vizekanzler Robert Habeck vergangenes Jahr, bei dem er während seines Aufenthalts eine Änderung der deutschen CCS-Politik ankündigte. Deutschland ist Norwegens wichtigster Handelspartner, und in Zukunft werden wir die solide bilaterale Zusammenarbeit zwischen Unternehmen und Entscheidungsträgern beider Länder fortsetzen.

Was sind die aktuellen Themen in der Deutsch-Norwegischen Arbeitsgruppe für Kohlenstoffabscheidung und -speicherung?

In der Arbeitsgruppe sind verschiedene Teile der CCS-Wertschöpfungskette vertreten. Das bietet uns eine einzigartige Gelegenheit, gemeinsam die Grundlagen zu stärken, auf der deutsche und norwegische Entscheidungsträger ihre nationalen und internationalen Vorschriften gestalten. Zudem ermöglicht diese hervorragende Plattform, die uns von der AHK Norwegen bereitgestellt wird, den Austausch von Ideen und die Lösung von Problemen. Das trägt hoffentlich dazu bei, das Risikoniveau in Vorstandsetagen zu senken, wenn es um Investitionen in kommende CCS-Projekte geht.

Derzeit erarbeiten wir, welche konkreten Gesetze wir prioritär verfolgen werden, einschließlich (aber nicht ausschließlich) der Umsetzung von EU-Vorschriften wie dem Net Zero Industry Act und dem Carbon Border Adjustment Mechanism, sowie nationalen Themen wie der deutschen Carbon Management Strategie.

Ich glaube, dass diese Arbeitsgruppe ein starkes Potenzial hat, und ich bin bereit, mein Bestes zu geben, um den Rahmen zu setzen und die erforderlichen Schritte zu unternehmen, um unsere gemeinsamen Ziele zu erreichen.