Wachstum und Widerstandsfähigkeit dank Rohstoffen: So blickt die deutsche Außenwirtschaftsagentur GTAI auf Norwegen

Die Außenwirtschaftsagentur der Bundesrepublik Deutschland hat einen Standortbericht und Wirtschaftsausblick für Norwegen veröffentlicht. Dieser bescheinigt dem Land Widerstandsfähigkeit in herausfordernden Zeiten und prognostiziert eine weitere Annäherung an Deutschland.

Regelmäßig veröffentlicht die Außenwirtschaftsagentur der Bundesrepublik Deutschland, Germany Trade & Invest (GTAI) Analysen und Handelsprognosen zu verschiedenen Ländern. Im Dezember war Norwegen an der Reihe. Hier eine gekürzte Version des Berichts mit weiterführenden Links:

Wirtschaftsentwicklung: Norwegen bleibt standhaft

Die wirtschaftliche Entwicklung Norwegens im Energiesektor spielt eine zentrale Rolle, wobei die Öl- und Gaswirtschaft regelmäßig das BIP beeinflusst. 2023 stieg das BIP aufgrund von Förderaktivitäten um 0,2 Prozentpunkte auf insgesamt 1,2 Prozent, und für 2024 wird ein Plus von 2 Prozent erwartet. Die EU-Kommission führt die Verlangsamung 2023 auf den Rückgang des privaten Konsums durch hohe Inflation zurück. Der Haushaltsplan 2024 sieht umfangreiche Investitionen zur Stimulierung von privaten Haushalten und Unternehmen vor, was voraussichtlich zu einem Anstieg des Produktionswachstums 2024 und 2025 führen wird.

Der Außenhandel Norwegens wird sich aufgrund von Rohstoffpreisverwöhnung und einer schwachen Binnennachfrage voraussichtlich verlangsamen. Die derzeit schwache Währung könnte jedoch die Nachfrage nach norwegischen Exporten unterstützen.

Investitionen im Energie- und Gesundheitssektor

Norwegen plant im Haushaltsjahr 2024 mit Entnahmen von rund 35 Milliarden Euro aus seinem Staatsfonds. Neben der Unterstützung des Energiesektors sind Investitionen im Gesundheitssektor geplant, darunter 190 Millionen Euro für verkürzte Wartezeiten und bessere psychische Gesundheitsversorgung in Krankenhäusern. Einige Maßnahmen der Regierung, wie die Grundzinssteuer von 25 Prozent für größere Onshore-Windkraftanlagen, stoßen in der Wirtschaft allerdings auf wenig Zuspruch. Eine solche Steuer gibt es bereits für Wasserkraft, Erdöl und für die Fischzucht. Während Experten vor einer Abschreckung wichtiger Investoren warnen, bleibt sich Norwegen treu: Ministerpräsident Jonas Støre betont, dass Werte, die mit gemeinsamen Ressourcen geschaffen werden, auch der Allgemeinheit zugutekommen müssten. Mindestens die Hälfte der Einnahmen sollen die Kommunen erhalten, der Rest geht an den Staat

Vielfältige Investitionsmöglichkeiten in der Energiebranche

Die deutsch-norwegische Zusammenarbeit im Energiesektor wird sich voraussichtlich weiter verstärken. Norwegen will sich als Lieferant von Wasserstoff sowie von Strom aus Wind- und Wasserkraft positionieren. Gleichzeitig will das Land seinen Kontinentalsockel für die Speicherung von CO2 in großem Maßstab freigeben (CCS). So arbeitet etwa die deutsch-britische Joint Venture Wintershall DEA zusammen mit der norwegischen Equinor am Aufbau einer kompletten Wertschöpfungskette für CCS. Auch will Norwegen weiterhin auf fossile Energie setzen – Ministerpräsident Støre lehnte dagegen den Vorschlag der Vorgängerregierung ab, keine weiteren Genehmigungen für neue Ölbohrungen zu erteilen. In den Bereichen Öl und vor allem Gas hatte Norwegen insbesondere im vergangenen Winter eine wichtige Rolle für Deutschlands Industrie gespielt.

Die deutsch-norwegische Zusammenarbeit im Energiesektor verzeichnet im November 2023 einen Meilenstein mit der Veröffentlichung einer Machbarkeitsstudie für eine gemeinsame Wasserstoffwertschöpfungskette zwischen Deutschland und Norwegen. Die Deutsche Energieagentur (DENA) und der norwegische Gaslieferant GASSCO kommen zu dem Schluss, dass der Aufbau dieser Kette technisch umsetzbar ist. In einem weiteren Schritt werden weitere Maßnahmen in einer Task Force zwischen den Ländern erörtert.

Deutsche Firmen wollen in Offshore Wind investieren

Ein beachtliches Interesse seitens Deutschlands zeigt sich auch im Offshore-Bereich, insbesondere bei der Auktion um drei Offshore-Wind-Areale im Bereich Sørlige Nordsjø II, an der sich die deutschen Energieversorgungsunternehmen EnBW und RWE beteiligen. Die Auktion ist für Februar 2024 geplant, und es werden zusätzliche Vorbereitungen für die Ausweisung weiterer Offshore-Gebiete bis 2025 getroffen, mit einem Budget von 12,6 Millionen Euro.

Norwegen, trotz aktuellem Energieüberschuss, plant aufgrund des hohen Elektrifizierungsgrades einen massiven Kapazitätsausbau für erneuerbare Energien und das Stromnetz. Dabei sind knapp 12 Millionen Euro vorgesehen. Das größte Klimaprojekt der norwegischen Regierung, Langskip, wird ebenfalls finanziell unterstützt, mit über 220 Millionen Euro für die Entwicklung einer vollständigen CO2-Abscheidungs- und Speicherungskette (CCS).

Deutsche Perspektive: Hannover-Messe rückt Norwegen in den Fokus

Die Ankündigung Norwegens als Partnerland auf der Hannover Messe, die im April 2024 stattfindet, signalisiert eine weitere Vertiefung der bilateralen Beziehungen beider Länder im Energiesektor. Hier kommt im GTAI-Artikel auch Michael Kern, der Geschäftsführer der AHK Norwegen, zu Wort. Er sagt:

„2024 wird sich die deutsch-norwegische Energie- und Industriezusammenarbeit, allen voran im Bereich der Offshore-Energien, intensiv in den bilateralen Wirtschaftsbeziehungen niederschlagen. Dass Norwegen Partnerland auf der Hannover Messe sein wird, ist ein deutliches Zeichen.“

Michael Kern, Geschäftsführer der AHK Norwegen

Weitere Neuigkeiten und Berichte zur deutsch-norwegischen Wirtschaft finden Sie in der Übersicht auf unserem Blog.